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Nun, ich ſehe ſchon, Ihr Herz wird die rechten Wege wandeln und der Gefahren nicht ſcheuen, ſagte Prickler freundlich. Aber ſagen Sie uns jetzt zunächſt, welche Wege Ihre Füße wandeln wollen, damit wir es ermeſſen können, ob es uns vergönnt iſt, mit Ihnen zu gehen? 23
Ich komme von Erfurt, wo meine Eltern wohnen, ſagte der junge
Mann, bin die letzte Nacht in Weimar geweſen, und will jetzt thun, was ich meinem Vater feierlich in ſeine rechte Hand geſchworen habe, zu thun. Ich will nach Leipzig gehen.
Und darf man fragen, was Sie in Leipzig wollen?
Der junge Mann ſchwieg, und eine brennende Röthe überflog einen Moment ſein zartes, unſchuldvolles Angeſicht. Ich ſoll dort, dem Wunſche meines Vaters gemäß, die Handlung erlernen, ſagte er leiſe und tief beſchämt.
Wie? Sie, welcher eine ſo edle Begeiſterung für das Vaterland und deſſen Krieger hegen, Sie wollen Kaufmann werden? fragte Schill erſtaunt.„
Der Jüngling hob ſeine blauen Augen zu ihm empor, und große Thränen hingen an ſeinen Wimpern.
Ich ſoll Kaufmann werden, ſagte er leiſe. Mein Vater iſt ein frommer Prediger, und er haßt und verabſcheut das Kriegshandwerk; er nennt es eine Sünde, daß Menſchen auf ihre menſchlichen Brüder ihre Waffen richten, wie auf wilde Thiere, gegen welche man ſich nicht an⸗ ders vertheidigen kann, als indem man ſie erſchlägt. Meine Mutter hat in früheren Tagen auch alle Gräuel des Krieges kennen gelernt, ſie fürchtet daher die Schreckniſſe deſſelben für ihren einzigen Sohn, und möchte mich gegen dieſelben ſchützen. Mit Thränen, mit gerun— genen Händen, ja faſt auf ihren Knieen vor mir liegend, hat ſie mich angefleht, abzulaſſen von meinem Vorhaben, Soldat zu werden, und nicht zu machen, daß ihr Herz vor Kummer und Angſt bräche. Meine Mutter bat und weinte, mein Vater ſchalt und drohte, und ſo mußte ich mich wohl fügen, und ein gehorſamer Sohn ſein! Vor drei Tagen reichte mir mein Vater das Abendmahl, und vor dem Altar habe ich


