Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 4. Band (1859)
Entstehung
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Poſtmeiſter von Jena und der General Denzel waren ſeine Fackelträger; die Marſchälle Lannes und Soult ſeine Begleiter.

Der Kaiſer Napoleon prüfte in der Stille der Nacht das Terrain, wo er morgen den Preußen eine Schlacht abgewinnen wollte, wie er jüngſt den Oeſterreichern eine Schlacht abgewonnen hatte.

Oeſterreich hatte ſein Auſterlitz gehabt, Preußen ſollte ſein Auerſtädt und Jena haben.

Napoleon hatte ſeinen Plan gemacht, morgen war der Tag, wo er Rache nehmen wollte an dem König von Preußen für den Ver⸗ trag von Potsdam und für das Bündniß mit Rußland.

Am Fuß des Berges von Jena angelangt, hielt der Kaiſer jetzt ſein Pferd an und ſtieg ab, um zu Fuß hinaufzugehen. Oben ange⸗ langt, ſtand er lange ſchweigend da, die Fackelträger ſtanden ihm zur Seite, die beiden Marſchälle neben dieſen. Des Kaiſers Blick ſchweifte hinüber zu den Bergen und weilte beſonders lange auf den Höhen des Dornbergs, an dem er vorher vorübergeritten war.

Der Berg lag dunkel und ſtill da, ein einſamer, ſchlafender Rieſe.

Der Kaiſer hob den Arm empor und deutete auf den Dornberg hin. Die Preußen haben die Höhe verlaſſen, ſagte er, ſich mit einer langſamen Kopfbewegung zu dem Marſchall Lannes hinwendend, ver⸗ muthlich ſcheuten ſie die kalte Nachtluft und ſind ins Thal gegangen, um zu ſchlafen. Sie meinen, wir werden ihnen Ruhe dazu gönnen. Aber ſie ſollen ſich ſchauderhaft getäuſcht haben, die alten Perrücken!*) Sobald die Nebel tiefer herabgeſunken ſind, laßt die Höhen des Dorn⸗ bergs von den Scharfſchützen beſetzen, damit ſie den Preußen, wenn ſie wieder hinauf marſchiren wollen, ihren Morgengruß darbringen können!

Er wandte wieder den Blick hinunter in das Thal; plötzlich flammten ſeine Augen höher auf und ſchienen mit ihrer Gluth und ihrem Feuer die Nacht und die Dunkelheit durchbohren zu wollen.

Was iſt das dort unten im Thal? fragte er haſtig.

*) Napoleons eigene Worte. Ils se tromperont tormidablement ces vieux

perruques, waren ſeine Worte.