Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 4. Band (1859)
Entstehung
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Königin

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ein wenig aufgeklärt hatte, bewölkte ſich wieder, und er blickte düſter vor ſich hin.

Die Königin ſah es und legte ſanft ihre Hand auf ſeine Schulter. Du biſt nicht heiter, mein Freund, ſagte ſie zärtlich. Soll ich nicht meinen Antheil haben an Deinem Kummer? Gebührt er Deinem Weibe nicht? Oder willſt Du mir grauſam entziehen, worauf ich ein Recht habe? Sprich zu mir, mein Gemahl, gieb mir meinen Antheil an Deinen Schmerzen. Vertraue mir, was dieſe Wolken auf Deiner edlen Stirn zu bedeuten haben, und was Deine Seele ſo ſehr beſchäf⸗ tigt, daß Du darüber ſogar mich und die Kinder vergißt, und uns Deines freundlichen Morgengrußes beraubſt?

Aber ſelbſt dieſe innigen Worte der Königin vermochten die Stirn des Königs nicht wieder zu erhellen, er vermied es, ihren ſchönen und leuchtenden Augen, die forſchend auf ihm ruhten, zu begegnen, und wandte den Blick zur Seite.

Regierungsgeſchäfte, ſagte er kurz. Nichts Intereſſantes und Würdiges, um meiner Königin präſentirt zu werden. Wollen nicht damit die glücklichen Minuten Deiner Gegenwart verbittern! Setzen wir uns.

Die Königin kannte ihren Gemahl ſehr genau, ſie wußte, daß man ihm nicht widerſprechen durfte, wenn er in dieſer kurzen rauhen Weiſe ſprach, und daß es dann das Beſte ſei, ſeine Verſtimmung un⸗ beachtet zu laſſen, oder wo möglich ſie zu zerſtreuen.

Sie folgte ihm daher ſchweigend zu dem Divan, und ſetzte ſich, mit einem holden Lächeln ihn einladend, neben ihr Platz zu nehmen.

Der König that es, und Luiſe lehnte zärtlich ihr Haupt an ſeine Schulter. Wie ſüß iſt es, ſein ſchwaches Haupt an eines ſtarken Mannes Bruſt zu lehnen, ſagte ſie. Mir ſcheint, ſo lange ich in Deiner Nähe bin, kann mir kein Unglück nahen, und ich ſchmiege mich vertrauensvoll und ſelig an Dich, wie der Epheu, der die ſtarke Eiche umrankt.

Der Vergleich iſt nicht richtig, ſagte der König, der Epheu blüht nicht und duftet nicht. Du aber biſt die ſchönſte Purpurroſe, die Königin der Blumen!

Mühlbach, Napoleon. I. Bd. 44

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