Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 4. Band (1859)
Entstehung
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Er nahm die Nadel von dem Tiſch und reichte ſie dem Schließer dar. Dieſer empfing ſie mit einem kaum unterdrückten Seufzer, und als er ſich niederbeugte, um die Hand zu küſſen, welche ſie ihm dar⸗ gereicht, fiel eine glühende Thräne aus ſeinen Augen auf Palm's Hand nieder.

Oh, ſagte Palm gerührt, ich gab Dir nur ein kleines Goldge⸗ ſchmeide, und Du giebſt mir dafür einen Diamanten! Ich danke Dir, mein Freund, und ich weiß, Du wirſt in meiner Todesſtunde für mich beten! Jetzt gönne mir eine Stunde des Alleinſeins, denn ich muß mich ſammeln und mit Gott berathen über das, was mir bevorſteht. Darfſt Du mir Feder und Papier geben?

Ich habe es ſchon in die Chatoulle Ihres Tiſches gelegt, ſagte Balthaſar leiſe, alle Verurtheilten haben das Recht, ihren letzten Willen für ihre Familie niederzuſchreiben, und ich ſchwöre Ihnen beim ewigen Gott, daß ich das, was Sie ſchreiben, an ſeine Adreſſe befördern will.

Ich danke Dir, Freund, laß mich alſo allein, daß ich ſchreiben kann. Aber höre! Entferne Dich nicht zu weit, bleib in dem Corridor, damit, wenn ſie kommt, Du gleich da biſt, aufzuſchließen.

Sie? fragte der Schließer. Was für eine ſie?

Palm ſtockte, er konnte das Wort nicht gleich ausſprechen, denn die Thränen ſtiegen aus ſeinem Herzen empor und legten ſich ſchwer auf ſeine Zunge. Meine Frau! ſagte er endlich mühſam. Geh und erwarte ſie, denn ſie kommt gewiß!

Er winkte Balthaſar hinauszugehen und ſetzte ſich dann matt und erſchöpft auf ſeinen Binſenſeſſel nieder. Einen Moment kam der ganze Jammer und die ganze Erdenqual über ihn und wälzte ſich wie eine Lawine auf ſein Herz hin. Er neigte ſein Haupt auf ſeine Bruſt, die Arme hingen ſchwer und ſchlaff an ſeinem Körper nieder, und einzelne Thränen, groß wie Kinderthränen, brennend wie Feuer, rollten über ſeine Wangen nieder. Aber dies dauerte nicht lange, denn gerade dieſe heißen Thränen weckten ihn wieder und rüttelten ihn auf aus der

Betäubung ſeines Schmerzes.

Er richtete ſein Haupt wieder empor und trocknete die Thränen von ſeinen Wangen fort. Ich habe keine Zeit zu weinen, ſagte er

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