Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 4. Band (1859)
Entstehung
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legt Trauerkleider an, Ihr Frauen, und kommt hinaus auf die Straße. Laßt uns zum General St. Hilaire gehen und für das Leben eines deutſchen Mannes bitten!

Kein Ohr hatte ſich dieſem heiligen Ruf verſchloſſen, kein Frauen⸗ herz hatte ſich ihm abgewandt. Aus allen Häuſern und aus allen Hütten kamen ſie daher, die Gräfin ſowohl wie die Bettlerin, die Greiſin ſowohl wie das junge Mädchen; die Mütter führten ihre Kinder an den Händen, und die Bräute liehen ihren Großmüttern ihre Schulter, um ſich darauf zu lehnen.

Vor dem Hauſe der Bürgermeiſterin ordnete ſich der Zug, dann ſchritten ſie paarweiſe und langſam, wie die ſchwachen Füße der ſchwankenden Greiſinnen und der zarten Kinder es erforderten, durch die lange Straße dahin, dem Marktplatz zu.

Der General St. Hilaire ſtand noch immer am Fenſter und blickte ſtannend hinunter auf das ſeltſame Gewühl, als die Thür ſich öffnete und ſein Adjutant eintrat.

Kommen Sie hierher und ſehen Sie, rief ihm der General lachend entgegen. Die Tage der großen Revolution ſcheinen hier einen Nach⸗ klang zu finden, und die Weiber ſcheinen ſich zu empören, wie ſie es damals thaten. Oh, mein Gott, ich entſinne mich noch ſehr wohl jenes Tages, als die Weiber nach Verſailles zogen, um mit ihrem Zetergeſchrei die Königin zu erſchrecken und vom König Brot zu erflehen. Aber ich bin doch keine Marie Antoinette, und in meinen Händen wachſen keine Kornfelder. Was mögen ſie alſo von mir wollen?

General, eine Deputation der Frauen iſt eben in das Hötel ge⸗ kommen und bittet um eine Andienz bei Ew. Excellenz.

Iſt die Deputation hübſch? fragte der General lachend.

Die Frau des Bürgermeiſters und die erſten Bürgerinnen der Stadt gehören zu der Deputation, ſagte der Adjutant ernſt.

Und was wollen ſie von mir?

General, ſie wollen Ew. Excellenz anflehen, die Hinrichtung des deutſchen Buchhändlers noch zu verſchieben und ihm eine Gnadenfriſt zu gönnen, damit ſie Zeit gewinnen, ſich um Gnade an den Kaiſer zu wenden.