Nein, er wird nicht erliegen, ſagte Anna, mein Herz wird ihn aufrecht halten.
Aber auch Ihr Herz wird brechen, wenn Sie ſich nicht ſchonen, rief die Wirthin gerührt. Bleiben Sie hier, ich beſchwöre Sie, reiſen Sie nicht ab! Bleiben Sie als mein Gaſt in meinem Hauſe.
Anna legte ihre brennende Hand auf die Schulter der Frau, und ſah ſie mit einem langen, innigen Blick an.
Sie waren verheirathet? fragte ſie. Sie liebten Ihren Mann?
Ja, ſagte die Wirthin mit hervorbrechenden Thränen, ich war ver⸗ heirathet, und Gott weiß es, daß ich meinen Mann liebte. Wir haben zwanzig Jahre in Frieden und Glück miteinander gelebt, und als er im vorigen Jahre ſtarb, da ſtarb auch mein ganzes Lebensglück.
Er war krank, nicht wahr, und Sie haben ihn gepflegt?
Er war vier Wochen lang krank, und ich bin Nacht und Tag nicht von ſeinem Lager gewichen.
Nun alſo, was würden Sie dem geantwortet haben, der dem Sterbelager Ihres Mannes hätte zurückhalten, der Sie hätte be⸗ reden wollen, Ihren Mann in ſeinen Todesſchmerzen zu verlaſſen, weil das Ihre Geſundheit angreifen könnte? Würden Sie ſich haben zurück⸗
Sie von
halten laſſen?
Nein, ich würde den für meinen Feind gehalten haben, der mir einen ſolchen Vorſchlag gemacht hätte, und ich würde ihm geantwortet haben: es iſt mein heiliges Recht, an dem Sterbelager meines Mannes zu ſtehen, ſeinen letzten Seufzer von ſeinen Lippen fortzuküſſen, ihm die Augen zuzudrücken, und kein Menſch auf der Welt ſoll mich daran hindern!
Nun, denn, meine liebe Mutter, ich ſage, wie Sie geſagt haben: es iſt mein heiliges Recht, an dem Sterbelager meines Mannes zu ſtehen, und ihm die Augen zuzudrücken. In Braunau iſt das Sterbe⸗ lager meines Mannes, ich bin nicht ſo glücklich, wie Sie es geweſen, ich kann ihn nicht pflegen, nicht in ſeinen Schmerzen bei ihm ſein und ihn tröſten, aber ich kann in ſeiner Sterbeſtunde bei ihm ſein. Meine Mutter, wollen Sie Ihrer Tochter nun noch ſagen, daß ſie hier bleiben,
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