Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 4. Band (1859)
Entstehung
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Madame, ſagte die Wirthin bewegt, ich würde glücklich ſein, wenn Sie mir erlaubten, gar nichts von Ihnen anzunehmen, aber ich weiß, daß Sie das verletzen würde, und deshalb brachte ich meine Rechnung. Wenn Sie mir geſtatten wollten, meinem Herzen zu folgen, ſo ſagte ich: gönnen Sie mir die Ehre, einer ſo edlen, tapfern und getreuen Frau Gaſtfreundſchaft in meinem Hauſe gewährt zu haben, und wenn Sie mir das zuſagten, dann würde ich auch den Muth finden, Ihnen eine Bitte auszuſprechen, dieich jetzt nicht wagen darf, weil Sie ſie für Egoismus halten würden.

Sprechen Sie ſie nur immerhin aus, ſagte Anna milde, ich habe ſeit vierzehn Tagen ſo viel gebeten, und bin ſo oft abgewieſen worden, daß es mich wahrhaftig erheben würde, von Andern eine Bitte zu hören, die ich erfüllen könnte.

Nun denn, Madame, ſagte die Wirthin, Anna's Hand nehmend,

und ſie ehrfurchtsvoll an ihre Lippen drückend, dann bitte ich Sie,

bleiben Sie hier, reiſen Sie nicht ab. Gönnen Sie mir das Glück, Sie hier in meinem Hauſe zu haben, ein wenig für Sie zu ſorgen, und Sie zu pflegen, wie eine Mutter ihre Tochter pflegen würde. Ich bin alt genug, um Ihre Mutter ſein zu können, und Sie, mein ge⸗ liebtes, armes Kind, Sie bedürfen der Pflege, denn Sie ſind krank.

Ich fühle keine Schmerzen, ich bin nicht krank, ſagte Anna mit einem Lächeln, welches ergreifender war, als laute Klagen.

Sie ſind krank, rief die Wirthin, Ihre Hände brennen in Fieber⸗ hitze, und die Roſen, die auf Ihren Wangen blühen, ſind keine natür⸗ lichen, ſondern nur die Zeichen Ihres innern Leidens. Sie haben in dieſer ganzen Zeit kaum die Speiſen berührt, die man Ihnen vorſetzte, ſehr oft ſind Sie Nachts gar nicht im Bett geweſen, und ſtatt zu ſchlafen, ſind Sie ſtundenlang im Zimmer auf⸗ und abgegangen. Jetzt wüthet das Fieber in Ihrem zarten Körper, und wenn Sie ſich nicht ſchouen, und keine Arzeneien gebrauchen, wird Ihr Körper erliegen.