Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 4. Band (1859)
Entstehung
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Aber nein! Die vier Soldaten blieben vor der Thür ſtehen, ſie ſchulter⸗ ten das Gewehr und ſtellten ſich als Ehrenſchildwachen vor dem Hauſe auf.*)

Und die Muſik des eben neu anmarſchirenden Regiments machte auch Halt auf der Straße und mit ſchmetternden Trompetentönen, mit Poſaunen und Fanfaren begannen die franzöſiſchen Muſiker eine Me⸗ lodie zu ſpielen, die Jedermann kannte, die Melodie der großen Arie aus der Schöpfung:Nun beut die Flur das friſche Grün.**)

Wie triumphirender Hohn des Siegers klang es den armen Wie⸗ nern, dieſe Melodie des deutſchen Meiſters von den franzöſiſchen Siegestrompeten blaſen zu hören, und Thränen der ſchmerzlichen Schaam, der heimlichen Wuth füllten manches Auge, das niemals ge⸗ weint, und ein Gefühl bittern Schmerzes durchdrang jede Bruſt.

Die franzöſiſchen Muſiker hatten noch nicht zu Ende geſpielt, da flog in dem obern Stockwerk des Hauſes das Fenſter auf und in dem⸗ ſelben erſchien das ehrwürdige, von weißen Locken umwallte Haupt Joſeph Haydn's. Seine Wangen waren bleich, ſeine Lippen zitterten, denn ſein heimkehrender Bedienter hatte ihm ſoeben die Nachricht ge⸗ bracht, daß die Franzoſen abermals geſiegt, daß Napoleon die beiden Kaiſer bei Auſterlitz geſchlagen hätte.

Der Greis Joſeph Haydn zitterte deshalb und war bleich, aber der Genius Joſeph Haydn war muthvoll, freudig und trotzig und er erglühte in edlem Zorn darüber, daß die Trompeter des franzöſiſchen Siegers ſeine deutſche Muſik zu ſpielen wagten.

Dieſer Zorn des ewig jungen, ewig kühnen Genius flammte aus Haydn's Augen und gab jetzt ſeinem ganzen Weſen die Kraft und Elaſticität der Jugend wieder.

Sich weit herauslehnend aus dem Fenſter, winkte er mit beiden Armen dem Volk zu, daß es zu ihm emporblickte und die Hüte ſchwenkte, ihn zu begrüßen.

Singt doch, Ihr Wiener! ſchrie er hinunter, ſingt doch unſer Lieblingslied!

*) Hiſtoriſch. Siehe: Geſchichte Napoleons von... r. II. 84. und

Zeitgenoſſen. **) Hiſtoriſch.