Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 4. Band (1859)
Entstehung
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Stande zu ſein, Ew. Majeſtät eine Nachricht von äußerſter Wichtigkeit zu bringen, welche ganz geeignet wäre, den von Oeſterreich ſo ſehr ge⸗ wünſchten Frieden zu vermitteln.

Laß die Herren eintreten, ſagte der Kaiſer nach kurzem Beſinnen, und er ſetzte wieder den Fuß auf das zerknitterte Papier, als wolle er das Geheimniß ſeines Inhalts erſticken, damit es ſich den Oeſter⸗ reichern nicht verrathe.

Bourienne war hinaus gegangen, und jetzt erſchienen auf der Schwelle die beiden öſterreichiſchen Abgeſandten, die Grafen Stadion und Giüulay.

Sie kommen zum zweiten Mal zu mir? rief ihnen der Kaiſer haſtig entgegen. Man hat alſo meine Bedingungen erfüllt? Ich ſagte Ihnen, daß ich nicht einſeitig nur mit Oeſterreich unterhandeln wolle, ſondern daß ich begehre, daß auch Rußland an den Unterhandlungen Theil nehme und mit eingeſchloſſen ſei in den Friedenstractat, zu dem wir uns vielleicht einigen könnten. Sie kommen alſo jetzt im Namen der Kaiſer von Oeſterreich und Rußland?

Verzeihung, Sire, ſagte Graf Stadion ehrfurchtsvoll, wir kommen nur im Namen Oeſterreichs.

Der Kaiſer, unſer hoher Herr, begann Graf Giulay aber Na⸗ poleon unterbrach ihn raſch.

Ich werde Sie nur anhören, wenn Sie im Namen beider Kaiſer ſprechen können, ſagte er. Das war es, was ich Ihnen ſchon geſtern ſagte, und ich ſehe nicht ein, wodurch ich heute zu einer andern Mei⸗ nung bewogen werden ſollte. Die Umſtände haben ſich nicht geändert.

Verzeihung, Sire, ſie haben ſich geändert, ſagte Graf Giulay feſt.

Der Kaiſer ſah ihn mit ſeinem durchbohrenden Adlerblick ſo ſcharf an, als wolle er in dem Innerſten ſeines Herzens leſen.

Und worin haben ſie ſich verändert? fragte er, indem ſein Auge ſich langſam auf ſeinen Fuß niederſenkte, der das unheilsvolle Papier verbarg.

Ew. Majeſtät geruhten geſtern zu ſagen, daß, wenn Oeſterreich ſich auch der thätigen Bundesgenoſſenſchaft Rußlands verrühme, es doch niemals auf eine Allianz Preußens zählen könne, und daß das neutrale