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Sie begann eifrig und mit höher ſich röthenden Wangen die Eingangstacte zu ſpielen. Jetzt mußte Himmel einfallen mit der Me⸗ lodie, aber ſeine Blicke waren nicht auf die Noten, ſondern auf die Schultern der Königin gerichtet, und er verfehlte daher den Takt.
Nun? fragte die Königin mit lieblicher Verwunderung ihn anſchauend, Sie kommen aus dem Takt?
Ja, Majeſtät, ich komme aus dem Takt, rief Himmel grollend und finſter, ich komme ganz und gar aus dem Takt, und das kommt daher, daß ich doch auch nur ein Menſch bin und nicht in die Sonne ſehen kann, ohne den Sonnenſtich zu bekommen. Majeſtät, ich habe den Sonnenſtich und Sie ſehen, ich habe davon den Verſtand verloren!
Indem er ſo ſprach, neigte er ſich dichter zu der Königin und vrückte einen glühenden Kuß auf ihre Schultern, dann ſprang er auf, griff haſtig nach ſeinem Hut und ſtürzte aus dem Zimmer.*)
Die Königin ſchaute ihm nach mit dem Ausdruck des Erſtaunens und der Verwirrung, dann auf einmal brach ſie in ein helles, liebliches Lachen aus. Ach, ſagte ſie, wenn die Frau Oberhofmeiſterin Etiquette das geſehen hätte, ſie wäre entweder geſtorben vor Entſetzen, oder ſie hätte den Frevler zerſchmettert mit ihrem Zorn. Ich muß ihr doch dies Verbrechen bekennen. Frau Oberhofmeiſterin! Frau Oberhof⸗ meiſterin! rief ſie laut. Sofort öffnete ſich die Thür des Nebenzimmers und die Gräfin Voß erſchien in derſelben.
Majeſtät haben gerufen, ſagte ſie und ſich im Zimmer umſchauend, warf ſie einen erſtaunten Blick auf die Pendule.
Ach, meine liebe Gräfin, Sie wundern ſich, daß der Geſanglehrer Himmel ſchon fort iſt, obwohl die Stunde erſt zur Hälfte verfloſſen iſt? fragte die Königin heiter.
Majeſtät, ſagte die Gräfin ſeufzend, ich ſollte mich eigentlich über nichts mehr wundern und niemals mehr erſtaunt ſein, wenn die Eti⸗ quette verletzt wird, denn das geſchieht ja leider täglich und ſtündlich! Ew. Majeſtät wiſſen überdies, daß dieſer ganze Herr Himmel mir ein Stein des Anſtoßes und ein Gräuel iſt!
*) Hiſtoriſch.
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