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Nun aber laſſen Sie uns auch ſtudiren, damit Sie an mir eine Schü⸗ lerin erziehen, welche Ihnen Ehre macht!
Oh Majeſtät, rief Himmel heftig, meine Ehre und mein Glück—
Still, ſtill, unterbrach ihn Luiſe mit einem bezaubernden Lächeln, keine Schmeicheleien, keine Hofmannswendungen! Ich bin hier nicht die Königin, und Sie ſind nicht mein devoter Unterthan; ich bin eine lernbegierige Schülerin und Sie ſind mein geſtrenger Meiſter, welcher das Recht hat, zu brummen und zu ächzen, wenn ich falſch ſinge, und welcher von dieſem Recht ſehr häufig Gebrauch macht. Entſchul⸗ digen Sie ſich deshalb nicht, ſondern fahren Sie ſo fort, deſto mehr werde ich lernen!
Ew. Majeſtät ſingen wie ein Engel, murmelte Himmel, deſſen Augen unverwandt auf den ſchönen Schultern der Königin ruhten.
Nun freilich, Sie ſind darin ein competenter Richter, rief Luiſe lachend, denn da Sie der Himmel ſind, müſſen Sie auch wiſſen, wie die Engel ſingen, und gegen Ihr Urtheil läßt ſich nicht ſtreiten. Die Engel ſingen alſo falſch, gleich Ihrer ergebenen Schülerin? Laſſen Sie die Engel das thun, aber Ihre Schülerin nicht. Kommen Sie, Herr Himmel, ſetzen Sie ſich. Es ziemt dem Maeſtro nicht, neben ſeiner Schülerin zu ſtehen. Setzen Sie ſich!
Sie deutete mit einer anmuthigen Handbewegung auf den Seſſel hin, der neben ihr ſtand, und Herr Hinmel folgte ihrem Befehl, er ſetzte ſich. Unwillkürlich richteten ſeine Blicke ſich wieder auf die Kö⸗ nigin, deren Schönheit ſeinen kurzſichtigen Augen erſt jetzt recht leuch⸗ tend eutgegen trat, und die er vermeinte, niemals ſo holdſelig, ſo zauberhaft und anmuthig geſehen zu haben. Wie das Antlitz einer Fee erſchien ihm ihr ſchönes Geſicht, wie eine vom Phidias aus leben⸗ dem Marmor geformte Götterbüſte däuchten ihm ihre wundervollen Schultern und dieſer ſtolze, leuchtende Nacken, den er niemals unver⸗ hüllt und ſo nahe geſehen.
Nun, fangen wir an, ſagte die Königin unbefangen. Ich bitte, ſpielen Sie mir da oben im Discant die Melodie und laſſen Sie mich einigemal dazu das Accompagnement ſpielen, dann wird das Singen
beſſer gehen! Mühlbach, Napoleon. I. Bd 33


