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III. Die Clavierſtunde der Königin Tuiſt
euen Lieder und Com⸗
Die Königin ſaß am Clavier und ſtudirte ein Reichardt's ein, welche ihr Geſanglehrer, der Cor poniſt Himmel, ihr ſo eben gebracht hatte. Die ar in der glänzendſten Feſttoilette, die indeß weniger für kat net und den Muſiklehrer, als für einen großen Courtäg un e bornehme Verſammlung geeignet ſchien. Ein weißes, mit goldenen Blumen durch⸗ wirktes Atlasgewand, nach der damaligen Mode eng anſchließend, verhüllte ihre Geſtalt und ließ deren edle und ſchöne Formen errathen. Ihre herrlichen, weißen Arme waren unverhüllt, und nur am Handgelenk geſchmückt mit zwei Armbändern von Gold und Edelſteinen. Ihr Hals und ihre Schultern, welche die edlen Linien und Formen der Venus von Melos zeigten, waren gleich den Armen unbedeckt, und nur mit Goldgeſchmeide verziert. Ihr dunkelblondes Haar, in welligem Scheitel ihre Stirn von claſſiſcher Schönheit umgebend, war hinten im Nacken in einem griechiſchen Knoten zuſammengefaßt, in dem ſich die Endpunkte des goldenen, mit Brillanten geſchmückten Diadems berührten, welches ſich über dem Haupte der Königin erhob.*) Ihre Wangen waren ſanft geröthet, und um ihre purpurnen Lippen zitterte eben ein Lächeln voll Wehmuth und Rührung zu gleicher Zeit. Sie hatte die Hände auf die Taſten gelegt, und ihre Augen ruhten auf den Noten, welche auf dem Pult ſtanden; mitten im Singen war ſie aber auf einmal verſtummt, und in einem langen Seufzer war ihre Stimme verklungen.
Herr Concertmeiſter Himmel ſtand hinter ihr, er war ein Mann von mehr als vierzig Jahren, mit breitem, behäbigem, von Geſundheit ſtrotzendem Geſicht, mit einer hohen, ſchlanken Figur, die ſich beſſer zu dem Kopf eines Apoll's gepaßt hätte, als zu dieſem Kopf, welcher mehr an einen Büffel als an einen Gott erinnerte.
*) Ein Gemälde, welches die Königin genau in dieſem Coſtüm darſtellt, befindet ſich im Königlichen Schloſſe zu Berlin.
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