Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 3. Band (1859)
Entstehung
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Ich werde ſie zwingen, die deutſchen Intereſſen darin zu erkennen, daß ſie ſich vor Frankreich beugen und unſere Bundesgenoſſen werden, rief Napoleon ſtolz. Die Churfürſtin von Würtemberg iſt eine Tochter Georg's des Dritten von England, eine Tochter meines Todfeindes, ſie ſoll ſich daher vor mir beugen, oder meine Macht und meinen Zorn fühlen. Die Zeit des Zauderns und des Hinhaltens iſt jetzt vorüber! Ich will meine Freunde an meiner Seite, meine Feinde mir gegenüber haben, mögen die deutſchen Fürſten wählen, ob ſie mit Frankreich gegen Oeſterreich, ihren allgemeinen Deſpoten, gehen wollen, oder ob ſie, gleich Oeſterreich, von Frankreich beſiegt werden wollen! Wir werden ja ſehen, was Würtemberg wählen wird, denn ſchon iſt Ney mit ſeinem Armeecorps auf dem Wege nach Stuttgart und in einigen Tagen werde ich ſelbſt dem Churfürſtlichen Paar meinen Beſuch machen.

Und einige Tage ſpäter hielt Napoleon wirklich Wort, er machte dem Churfürſtlichen Paare ſeinen Beſuch in Ludwigsburg, nachdem Ney ſich mit Gewalt den Durchmarſch durch Stuttgart erzwungen hatte.

Der Churfürſt empfing den Kaiſer am Fuße der Schloßtreppe. Noch eine Stunde vorher hatte er ſeinen Vertrauten verſichert, er werde den Emporkömmling Napoleon nicht als ſeines Gleichen em⸗ pfangen, er werde ſich nicht herablaſſen, ihm die Hand darzureichen; aber als Napoleon ihn jetzt mit einem freundlichen Neigen ſeines Hauptes begrüßte, als er ihm die Hand darreichte, verneigte der Chur⸗ fürſt ſich ſo tief und ehrfurchtsvoll, daß es faſt ausſah, als wolle er die kleine weiße kaiſerliche Hand küſſen, die er ſo freudig und ehrfuchts⸗ voll ergriffen hatte.*)

In dem großen glänzenden Thronſaal des Schloſſes aber empfing die Churfürſtin den Kaiſer, welcher an der Seite ihres Gemahls zu ihr eintrat. Ihr Antlitz war bleich und düſter, als ſie mit einer tiefen ceremoniöſen Verbengung den Erbfeind ihres Hauſes bewillkommte, und nicht der Schimmer eines Lächelns umſpielte ihre Lippen, als ſie die Anrede des Kaiſers erwiederte.

Napoleons Antlitz dagegen war heute von einer ſeltenen Milde

*) Memoiren des Generals von Wolzogen. S? 24.

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