Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 3. Band (1859)
Entstehung
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prüfenden Blick, er ſah, daß der gutmüthige Graf Colloredo eine ängſtliche, furchtſame Miene hatte, daß Graf Lehrbach's wilde Augen glänzten wie die eines Tigers, der eben ſein Opfer zerfleiſchen will, daß Graf Saurau, der ſonſt ſo undurchdringliche Diplomat, ſeinen Lippen erlaubte, ſich mit einem triumphirenden Lächeln zu ſchmücken. Mit dem ſichern Tact, der Thugut niemals verließ, erkannte er an dem verſchiedenen Ausdruck dieſer drei Phiſiognomien die Veranlaſſung zu dieſem unerwar⸗ teten Beſuch und ſofort war ſein Entſchluß gefaßt.

Er empfing die drei Herren mit einer freundlichen Begrüßung und reichte dem Grafen Colloredo ſeine Hand dar, um ihn zu einem Fauteuil zu führen. Die Hand Colloredo's war kalt und zitterte, und Thugut ſagte zu ſich ſelber: Er iſt beauftragt, mir eine ſehr ſchlimme Botſchaft zu bringen, und er ängſtigt ſich.

Ew. Excellenz wundern ſich ohne Zweifel, daß wir zu ſo unerwarteter Stunde Sie beläſtigen, ſagte Graf Colloredo mit bebender Stimme, nachdem alle vier Herren Platz genommen.

Nein, ich wundere mich gar nicht, ſagte Thugut gelaſſen, vielmehr ſind die Herren Miniſter meinen Wünſchen nur zuvorgekommen. Ich war eben im Begriff, Sie zu einer Berathung zu mir einzuladen, denn es ſind ſehr ſchlimme Nachrichten von unſerer Armee eingetroffen. Wir haben bei Hohenlinden eine Schlacht verloren, der Erzherzog Johann iſt beſiegt worden!

Und Moreau hat den Inn bereits überſchritten und rückt jetzt gen Wien vor, ſagte Graf Lehrbach mit einem höhniſchen Grinſen. Sie haben ſich ein wenig verrechnet in Ihren Siegeshoffnungen, Herr Miniſter.

Ja, wirklich, Sie haben ſich verrechnet, mein lieber kleiner Baron, ſagte Graf Saurau, die letzten Worte ſtark betonend.

Thugut heftete auf ihn einen vollen lachenden Blick. Ei, ei, ſagte er, wie zärtlich wir heute ſind und wie uns der Schnabel gewachſen iſt, mein lieber kleiner Graf. Sie ſcheinen wenig gerührt von dem Unglück des Vaterlandes, denn Ihr Geſicht glänzt wie das eines jungen Hahns, der eben einen Rivalen von ſeinem Strohhaufen fortgebiſſen hat. Das muß aber ein recht dummer alter Hahn geweſen ſein, der ſich mit Ihnen in einen Kampf eingelaſſen! Nun, mein lieber und verehrter

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