Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 3. Band (1859)
Entstehung
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Graf Colloredo, laſſen Sie uns von Geſchäften ſprechen! Wir ſind bei Hohenlinden unterlegen und Moreau rückt vorwärts gen Wien. Das ſind zwei Thatſachen die ſich nicht beſtreiten laſſen! Aber wir werden uns von dieſen Schlägen erholen, wir werden Moreau eine neue Armee entgegenſtellen, und ſie wird Revanche nehmen!

Indeß, Excellenz, das iſt nur eine Hoffnung, und ſie kann uns abermals täuſchen, rief Colloredo ängſtlich. Der Kaiſer, mein gnädiger Herr, hat keinen rechten Glauben mehr an unſere Siege, wenn wir nicht einen tüchtigen, bewährten Feldherrn an der Spitze unſers Heeres haben, einen Feldherrn, dem das Heer und das Volk gleichmäßig vertraut.

Geben wir dem Heer alſo einen ſolchen Feldherrn, ſagte Thugut gelaſſen, rufen wit ſofort den Erzherzog Carl als Oberfeldherrn an die Spitze der Armee und geben ihm den Oberbefehl!

Ah, es freut mich, daß Sie einverſtanden ſind, rief Graf Colloredo freudig, denn der Kaiſer hat mich ſo eben beauftragt, zu ſeinem erlauchten Bruder zn gehen und ihn im Namen des Kaiſers zu bitten, die Ober⸗ befehlshaberſtelle wieder anzunehmen.

Nun, er wird ſich erbitten laſſen, ſagte Thugut lächelnd, denn das Commandiren und Herrſchen iſt immer eine gar angenehme Beſchäfti gung, und Mancher wäre gern bereit, ſeinen Wohlthäter und Freund zu verrathen, wenn ihm das zu Macht und Anſehen verhelfen könnte. Sind Sie nicht auch der Meinung, mein lieber, kleiner Graf Saurau? Ach, Sie wiſſen gar nicht, wie ich Sie liebe! Sie ſind die Puppe, die ich mir groß gezogen und gepflegt, und die ich mir zu einem Manne nach meinem Herzen erziehen wollte! Es iſt meine Schuld nicht, daß Sie kein Mann geworden, ſondern immer nur eine Maſchine geblieben ſind, die von fremder Hand gelenkt werden muß. Hüten Sie ſich nur, mein Lieber, daß Sie niemals in ungeſchickte oder ſchlechte Hände fallen, ſonſt ſind Sie verloren, trotz Ihrer Geſchmeidigkeit und Füg⸗ ſamkeit. Aber Sie haben da einen würdigen Freund neben ſich, den edlen, herrlichen Grafen Lehrbach. Wiſſen Sie wohl, mein lieber Graf Lehrbach, daß es böswillige Menſchen giebt, welche es oft verſuchen wollten, Sie bei mir zu verdächtigen, welche mir einflüſtern wollten, Sie ſeien mein Nebenbuhler und ſtrebten ganz offenkundig danach, mich

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