Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 3. Band (1859)
Entstehung
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weilig und fruchtlos, aber zum Glück giebt es deren auch ſehr Wenige. Ich könnte ſolche Tugenderemplare gar nicht gebrauchen, und ſtatt ſie zu bewundern, würde ich ſie zu vernichten ſuchen. Wer mir ein will⸗ kommenes Werkzeng ſein ſoll, der muß entweder einen Flecken auf ſich haben, an dem ich bei dem geringſten Ungehorſam den Mann, wie den Maikäfer am Faden, packen und zu mir zurückziehen kann, oder er muß ſo beſchränkt ſein, daß er mich nur nothdürftig verſteht, und auf keinen Fall mich errathen und durchſchauen kann.

Dann muß ich hoffen, Ew. Excellenz niemals ein willkommenes Wertzeug zu ſein, ſagte Müller ernſt.

Sind Sie Ihrer Tugend ſo ſicher? Sind Sie Sich keines Fleckens bewußt? fragte Thugut.

Wenn Geſinnung Tugend iſt, ja dann bin ich meiner Tugend ſicher, ſagte Müller ruhig. Ich werde meiner Geſinnung niemals untreu werden und hoffentlich niemals einen Flecken auf meinem Ge⸗ wiſſen haben!

Wer kann's wiſſen, rief Thugut lachend, es iſt Mancher ſchon zum Mörder geworden, der ſich ſcheute, einen Wurm zu zertreten, und Mancher zum Meineidigen, der heilig ſchwur, niemals eine Un⸗ wahrheit auszuſprechen. Aber wozu die Sentenzen und das Philo⸗ ſophiren! Ich liebe es, gerade auf mein Ziel loszugehen und meine Gedanken klar und beſtimmt auszuſprechen. Hören Sie alſo, was ich von Ihnen will! Sie ſind ein feiner Kopf, ein großer Geſchicht⸗ ſchreiber, ein tiefer Gelehrter, und Sie verkümmern zwiſchen den Bücherſchränken Ihrer Hofbibliothek. Der größte Geſchichtſchreiber des Jahrhunderts iſt nichts weiter als der Cuſtos einer Bibliothek und hat einen Chef über ſich, dem er gehorchen muß, obwohl er ihn vielleicht überſieht. Das iſt eine Stellung, welche Ihrer nicht angemeſſen iſt, oder ſagen Sie ſelbſt, fühlen Sie Sich befriedigt in derſelben?

Johannes Müller lächelte traurig. Wer kann denn ſagen, daß er ſich befriedigt fühlte? fragte er. Ich bin vielleicht ein ſchlechter Cuſtos,

*) Thugut's eigene Worte. Siehe: Hormayr Lebensbilder aus dem Be⸗

freiungskriege. I. 322.

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