Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 2. Band (1859)
Entstehung
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diplomatiſchen Beziehungen zu Frankreich wieder aufzunehmen und vadurch förmlich und vor aller Welt die franzöſiſche Republik anzu⸗ erkennen.

Mein Herr, rief Bonaparte ſtolz, die franzöſiſche Republik bedarf keiner Anerkennung. Sie weiß ſich dieſe Anerkennung zu erzwingen, denn ſie wirft wie die Sonne ihr Licht über den ganzen Erdball hin, und wer ſich den Anſchein geben wollte, ſie nicht zu ſehen, dem würde ſie in die Augen ſtechen, daß er auf ewig davon erblindete!*) Oeſter⸗ reich hat bei Lodi, bei Rivoli, Arcole und Mantua dieſe ſtrahlende Sonne ſcheinen ſehen, wo ſollte es alſo den Muth hernehmen, ſie verleugnen zu wollen? Aber ſtatt der Worte geben Sie uns thatſäch⸗ liche Beweiſe Ihrer Anerkennung.

Wir ſind auch dazu bereit, ſagte Graf Cobenzl verbindlich. Oeſter⸗ reich iſt bereit, dem großen General, deſſen Ruhm jetzt ſchon die ganze Welt mit Staunen und Bewunderung erfüllt, einen öffentlichen, glän⸗ zenden Beweis ſeiner Bewunderung zu geben. Se. Majeſtät der Kaiſer hat Ihnen ſchon in dem Schreiben, deſſen Ueberbringer zu ſein ich in Wien die Ehre hatte, mit beredten Worten geſagt, wie ſehr er den Sieger Italiens bewundere, wie glücklich Seine Majeſtät ſein würde, Ihnen irgend etwas Angenehmes erzeigen zu können. Damals lehnten Sie alle Anerbietungen ab, General, und nichts, was wir Ihnen darzubieten wünſchten, hatte für Sie genug Werth, daß Sie es an genommen hätten.

Sagen Sie vielmehr, Graf, Alles hatte zu viel Werth, um nicht leicht als eine Beſtechung angeſehen zu werden, rief Bonaparte. Mit dem Schwert in der Hand unterhandelte ich mit Ihnen um Krieg oder Frieden, es würde mir ſchlecht angeſtanden haben, das Schwert bei Seite zu legen, um meine Hände mit Ihren Geſchenken zu füllen!

Aber jetzt, General, jetzt, da wir das Schwert bei Seite gelegt, da wir Friede gemacht haben, da wir geſtern ſchon die Friedens⸗Ra⸗ tificationen ausgewechſelt haben, jetzt, wo Sie Oeſterreich in Frieden und Freundſchaft Ihre Hand darreichen, jetzt könnten Sie vielleicht

*) Bonaparte's eigene Worte. Siehe: Gonstant. I. 284.

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