IIM. Die Vegrüßung der Geſandten.
Ein buntes Gewuhl von Uniformen und goldgeſtickten Staats⸗ gewändern war ſeit der Ankunft des Generals Bonaparte und ſeiner Gemahlin in den Vorzimmern der franzöſiſchen Geſandtſchaft. Alle dieſe hohen Vertreter deutſcher Fürſten und Länder eilten herbei, um der franzöſiſchen Dame ihre Huldigungen darzubringen und ſich der Gnade und Huld des ſiegreichen Generals der Republik zu empfehlen. Aber die Thüren des Generals und ſeiner Gemahlin öffneten ſich eben ſo ſchwer, wie die der franzöſiſchen Geſandten Bonnier, Jean Debry und Roberjot. Der General Bonaparte hatte die Geſandten Oeſter⸗ reichs empfangen und ihnen ſeinen Gegenbeſuch gemacht. Aber Niemand ſonſt war von ihm an dem erſten Tage empfangen worden. Um ſo eifriger drängten ſich heute an dem zweiten Tage nach ſeiner Ankunft die Geſandten in die Vorzimmer der franzöſiſchen Herren, denn Jeder wollte der Erſte ſein, der für ſeinen Fürſten und für ſein deutſches Land die Gunſt des franzöſiſchen Siegers gewinnen könnte. Jeder wollte Vortheile erringen, Uebel abwenden und Gnaden erbitten.
Glücklich ſchon diejenigen, welche überhaupt bis in die Vorzimmer der franzöſiſchen Geſandtſchaft gelangt waren, denn man mußte ſehr viel Geld gegeben haben, um nur bis dahin die Thüren für ſich offen zu finden. Vor dieſen Thüren ſtanden die Kammerdiener der Geſandten, mit ernſten, ſtrengen Geſichtern Jedem den Eintritt verweigernd, der nicht zuvor ihnen ſchon empfohlen war, oder ſich ihnen nicht jetzt auf eine glänzende Weiſe zu empfehlen wußte.*) Und wenn man endlich,
*) Das franzöſiſche Geſandtſchaftsperſonal, von dem erſten Secretair bis hinunter zum Lakaien und Koch, empfing von allen deutſchen Geſandten be⸗ trächtliche Geſchenke, denn Jedermann wollte die franzöſiſchen Herren gewinnen, und getreu dem alten, diplomatiſchen Kunſtgriff, wollte man durch die Diener⸗ ſchaft ſich die Gunſt der Herrſchaft erobern. Das Dienſtperſonal der franzöſiſchen Geſandtſchaft machte daher ein ſehr gutes Geſchäft mit den deutſchen Geſandten. Siehe: Deutſche Geſchichte von Ludwig Hänſſer. II. S. 163.
Mühlbach, Navoleon. I. Bd 14


