Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 2. Band (1859)
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Sie einen armen Menſchen lieben wollten, der nichts iſt als Soldat, der Ihnen kichts zu bieten hat, als ein bischen Ruhm und ſeine Liebe. Aber ich werde dieſe Liebe aus meinem Herzen verbannen, und müßte ich mein Herz mit meinen eigenen Zähnen zerreißen.*)

Bonaparte, rief Joſephine halb zärtlich, halb entſetzt, was that ich denn, daß Du mir zürnſt? Weshalb beſchuldigſt Du mich der Gleichgültigkeit, da Du doch weißt, daß ich Dich liebe?

Ah, es iſt wenigſtens eine ſehr kalte Liebe, ſagte er höhniſch. Freilich, ich bin nur der Ehemann, und es paßt nicht zu den adlichen Sitten, ſeinen Ehemann zu lieben, das iſt gemein, bürgerlich, republi kaniſch! Ich bin aber ein Republikaner, und ich will nicht eine Frau mit den Sitter des ancien régime. Ich bin der Ehemann, wehe dem, der ſichen arſtellt mit dem Titel eines Liebhabers. Ich würde nicht einmal meines Schwertes nöthig haben, um ihn zu tödten, ich würde ihn mit meinen Blicken zerſchmettern!*) Und ich werde ihn zu finden wiſſen, und flöhe er bis an's Ende der Welt. Mein Arm reicht weit, und ich werde ihn über die ganze Welt ausſtrecken, um ihn zu packen.

Aber von wem willſt Du ſprechen? fragte Joſephine entſetzt.

Von wem? rief er mit donnernder Stimme. Ah, Sie glauben, Madame, ich weiß nicht, was geſchehen iſt? Sie glauben, wenn ich nicht bei Ihnen bin, ſehe und erfahre ich nichts? Ich mache Ihnen mein Compliment, Madame! Der ſchöne Adjutant Leclerc's iſt eine Eroberung, um welche die Frauen von Mailand Sie gewiß beneidet haben, und Botot, der Spion, den Barras mir nachgeſandt, gilt ſelbſt in Paris für einen Adonis! Madame, was bedeuten die Ver⸗ traulichkeiten mit dieſen beiden Männern? Sie haben den Adjutanten Charles Morgens um eilf Uhr empfangen, während Sie doch niemals vor ein Uhr aus Ihrem Bett aufſtehen. Oh, der junge, ſchöne Charles wollte Ihnen von ſeinem Heimweh nach Paris erzählen, von ſeiner

*) Bonaparte's eigene Worte. Siehe: Lettres à Josephine. Mémoires d'une contemporaine. I. 353.

**) Bonaparte's eigene Worte. Siehe ebendaſelbſt.