Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 2. Band (1859)
Entstehung
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einziehen laſſen, keinem dieſer deutſchen Herren hatte die deutſche Stadt irgend eine öffentliche Aufmerkſamkeit erwieſen, aber dem fran⸗ zöſiſchen General beeilte Jedermann ſich zu huldigen, und ſelbſt die Geſandten mochten nicht wagen, ſich zurückzuziehen. Nur verſuchten ſie auch hier zu diplomatiſiren, und ſtatt gewiſſermaßen als demüthige Vaſallen den ſiegreichen Feldherrn zu empfangen, zogen ſie es vor, als galante Cavaliere ſeiner ſchönen Gemahlin ihre Huldigung darzu⸗ bringen und dieſe zu empfangen.

Vor dem Thor alſo, welches Joſephine zu paſſiren hatte, harrten die deutſchen Geſandten auf ihren köſtlichen, courbettirenden Pferden der Generalin Bonaparte Selbſt der alte Graf Metternich, der Ver⸗ treter des Kaiſers von Oeſterreich als deutſches Reichsoberhaupt, hatte, ſeiner ſteifen Glieder unerachtet, ſich zu Roß geſchwungen; neben ihm hielten die beiden andern Vertreter Oeſterreichs, Graf Lehrbach, der

Oeſterreich als Mitglied der Reichsfriedensdeputation repräſentirte, und, Graf Ludwig Cobenzl, der für Böhmen und Ungarn als Abgeſandter

fungirte. Hinter dem alten Grafen Metternich ſah man auf einem ſchönen, kaum zu bändigenden Roß einen jungen Cavalier von herr⸗ licher Geſtalt und ſeltener Schönheit, das war der junge Graf Cle⸗ mens Metternich, welcher das weſtphäliſche Grafen⸗Collegium zu ver⸗ treten hatte und yie in Raſtatt ſeine officielle diplomatiſche Carriére unter den Angen ſeines Vaters beginnen ſollte. Neben ihm erblickte man die ernſten ſtattlichen Figuren der preußiſchen Geſandtſchaft, den Grafen Görtz, der einſt beim bairiſchen Erbfolgekrieg eine für Preußen ſo wichtige und für Oeſterreich ſo feindliche Rolle geſpielt hatte, und den Herrn von Dohm, einen eben ſo gewandten Cavalier als Schrift⸗ ſteller. Ihnen zur Seite hielten die Vertreter von Baiern, von Sachſen, Württemberg und der ganzen Schaar deutſcher Reichsunmittelbaren, denen ſich die Literaten und Publiciſten anſchloſſen, welche nach Raſtatt geſtrömt waren in der Hoffnung, hier eine glückliche Ausbeute für ihre heißhungrige Feder zu finden. Aber nicht die deutſchen Diplomaten allein und die jungen Herrn, welche zu den Bewohnern Raſtatt's ge⸗ hörten, harrten hier der Ankunft der Generalin Bonaparte, da war noch dieſe ganze Schaar franzöſiſcher Sänger, Schauſpieler und

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