Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 1. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Er richtete ſeine Augen mit einem forſchenden Ausdruck auf ihr reizendes, lächelndes Angeſicht. Wie? fragte er verlegen. Wenn Sie doch eine Chriſtin wären? Was wollen dieſe Worte ſagen, Mariane?

Sie wollen ſagen, Friedrich, daß ich dem Manne, welcher mich ſo glühend, ſo ausdauernd und treu liebt, den höchſten Beweis meiner Liebe gegeben habe. Ich bin Chriſtin geworden um ſeinetwillen. Geſtern iſt die Ceremonie der Taufe geweſen. Jetzt, mein Freund, frage ich Sie noch einmal, frage Sie als Chriſtin: Gentz, wollen Sie mich heirathen? Ehrlich und offen, mein Freund! Bedenken Sie, daß es die Geliebte Ihres Herzens und Ihrer Begeiſterung iſt, welche vor Ihnen ſteht und von Ihnen eine Antwort fordert. Bedenken Sic, daß dieſer Augenblick über unſrer Beider Zukunft entſcheidet und ſofort und auf der Stelle entſcheidet. Denn Sie ſehen, ich habe alle Hin⸗ derniſſe aus dem Wege geräumt, ich bin Chriſtin geworden, und ich ſage Ihnen, ich bin bereit, noch in dieſer Stunde Ihre Gemahlin zu werden. Noch einmal alſo: Gentz, wollen Sie mich heirathen?

Er war aufgeſtauden und ging heftig einige Male auf und ab. Mariane verfolgte ihn mit einem lauernden Blick, einem ſpöttiſchen Lächeln, aber als er jetzt zu ihr trat, nahm ſie ſchnell eine ernſthafte Miene an.

Mariane, ſagte er feſt, Sie wollen die Wahrheit wiſſen, und ich liebe Sie zu ſehr, um Ihnen dieſelbe verhehlen zu können. Ich will, ich darf, ich kann Sie nicht heirathen. Ich will nicht, weil ich mich außer Stande fühle, die Feſſeln der Ehe noch einmal zu tragen! Ich darf nicht, weil ich Sie unglücklich und elend machen würde. Ich kann nicht, weil das hieße, einen Verrath an der Freundſchaft begehen, denn Sie wiſſen es wohl, der Fürſt von Reuß iſt mein Freund!

Und ich bin ſeine Maitreſſe, das wollten Sie doch ſagen?

Er liebt Sie grenzenlos, wollte ich ſagen, und er iſt ein edler, großſinniger Mann, deſſen Herz brechen würde, wenn man Sie ihm raubte.

Alſo zum letzten Male: Sie wollen mich nicht heirathen? Mariane, ich liehe Sie zu ſehr, um Sie heirathen zu können! Mariane lachte laut auf. Ein ſeltſamer Weigerungsgrund, in der

That, Veige auf Ih darauf unſere Gentz, Atlasg