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klagenswerth, trotz unſers Reichthums, unſerer Brillanten und unſerer glänzenden Zukunft! Man hat uns verkauft wie eine Waare, Niemand hat danach gefragt, daß dieſe Waare zufällig ein Herz hat, ſondern Jeder hat nur überlegt, wie viel Gewinn er von ihr haben wird! Oh, meine Schweſtern, es geht uns, den reichen Jüdinnen, wie den armen Prinzeſſinnen, man verſchachert uns an den Meiſtbietenden. Und wir haben keinen Willen, zkeine Kraft und Selbſtſtändigkeit, uns dieſem un⸗ würdigen Menſchenhandel zu entziehen! Wir beugen unſer Haupt und gehorchen, und ſtatt mit Liebe und Glück, füllen wir unſer Herz mit Eitelkeit, mit Prunkſucht und Hochmuth, und darben doch in der Fülle unſers Reichthums.
Ja, wir darben, ſeufzte Lydia, und wir dürfen es nicht einmal ſagen und klagen! Verdammt zur ewigen Lüge, müſſen wir ein Glück heucheln, das wir nicht empfinden, müſſen Liebe lügen, die wir nicht fühlen!
Ich werde das nicht thun, rief Fanny ſtolz. Es iſt genug, wenn ich mich dem Zwang füge und mein Haupt beuge, aber ich werde nicht mich bis zur Lüge demüthigen.
Wie, Du wollteſt alſo Deinem Gemahl ſagen, daß Du ihn nicht liebſt? fragten die Schweſtern.
Ich werde es nicht meinem Gemahl ſagen, ſondern meinem Bräu⸗ tigam, ſobald er kommt!
Aber wenn er keine Frau heirathen will, die ihn nicht liebt?
Dann iſt Er es, welcher zurücktritt, nicht Ich, und unſer Vater hat mir keine Vorwürfe zu machen. Hört Ihr nicht Schritte im Cor⸗ ridor? Das iſt mein Bräutigam. Ich habe ihn gebeten, eine Viertel⸗ ſtunde vor der feſtgeſetzten Zeit hierherzukommen, weil ich ihn zu ſprechen wünſchte. Er kommt! Nun bitte ich Euch, geht in den Salon und erwartet mich dort. Vielleicht komme ich allein, dann bin ich frei, vielleicht kommt Arnſtein mit mir, dann hat er die Zukunft angenommen, wie ich ſie ihm biete. Lebt wohl, meine Schweſtern, und Gott ſchütze uns alle!
Gott ſchütze Dich! ſagte Lydia, ihre Schweſter zärtlich umarmend.


