Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 1. Band (1859)
Entstehung
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Bräute warfen, Wünſche.

Sie hatten eine Zeitlang lebhaft mit einander geſprochen, jetzt waren ſie ſtill geworden und blickten alle Drei ſinnend zur Erde nieder. Endlich hob die Eine von ihnen langſam ihre glühenden ſchwarzen Augen empor und heftete ſie mit einem ſcharfen durchdringenden Blick auf ihre Schweſtern. Sie fühlten dieſen Blick und hoben auch Beide zu gleicher Zeit ihre Augen empor.

Was ſiehſt Du uns ſo ſcharf und prüfend an, Fanny? fragten Beide.

Ich möchte ſehen, ob ich auf Euren Stirnen Wahrheit leſen kann, ſagte Fanny, oder ob die Brillanten und Myrten Alles über⸗ decken. Kinder, was meint Ihr, laßt uns doch einen Moment das funkelnde Lügengewand, mit dem wir uns vor aller Welt ſchmücken, ein wenig abſtreifen, und im Naturzuſtande der Wahrheit uns gegen⸗ über ſtehen. Wir haben einander immerfort belogen, Jede hat zu der Andern geſagt:Ich bin glücklich! Ich beneide Dich nicht, denn ich bin eben ſo glücklich, wie Du! Aber was meint Ihr, wenn wir jetzt einmal den Mund aufthäten und ließen die Wahrheit unſeres Herzens ausſtrömen? Wär's nicht originell und neu? Wär's nicht ein köſt⸗ liches Mittel, um dieſe halbe Stunde hinzubringen, bis unſere Ver⸗ lobten kommen, uns abzuholen zur Trauung? Seht, es iſt heute das letzte Mal, daß wir ſo zuſammen ſind, das letzte Mal, daß wir uns nennen mit dem Namen unſeres Vaters, laßt uns alſo ein einziges und letztes Mal offen zu einander reden. Wollen wir's?

Ja, wir wollen's, riefen die beiden Schweſtern. Aber wovon wollen wir denn die Wahrheit ſagen?

Von unſeren Herzen, ſagte Fanny ernſt. Du, Eſther, Du biſt die Aelteſte, Du mußt anfangen. Sag' uns alſo, liebſt Du Deinen Bräu tigam, den Herrn Geheimen Commerzienrath Ephraim?

Eſther ſah ſie faſt erſtaunt an. Ich ihn lieben? fragte ſie. Ja, mein Gott, wie ſollte ich denn dazu kommen, ihn zu lieben? Ich kenne ihn ja kaum. Der Vater hat ihn mir ausgewählt, es iſt eine glän zende Partie, ich bleibe in Berlin, werde Geheimräthin, gebe glänzende

nicht ihre geheimen Gedanken, ihre verſchwiegenen