Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 1. Band (1859)
Entstehung
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en mit

Grafen

33 Meerveldt und den Marquis de Gallo nach Leoben zu Bonaparte ge⸗ ſandt, um mit ihm zu verhandeln.

Hatte denn der Erzherzog dazu die Einwilligung Eurer Excellenz? fragte der Graf.

Nein, die hatte er nicht, und ich könnte ihn jetzt desavouiren, wenn ich wollte, aber ich will nicht, denn es liegt nicht in unſerm Vortheil, und kenne nur Eine Politik, das iſt die Politik des Vortheils. Man muß allemal das thun, wobei man die Ausſicht hat, zu gewinnen, und das unterlaſſen, wobei man zu verlieren fürchten muß. Die Gewalt iſt das einzig Unfehlbare, Ewige und Göttliche, und dieſe Gewalt hat jetzt ſich zu Gunſten Frankreichs entſchieden. Wir müſſen alſo nachgeben und ſo lange friedlich erſcheinen, bis die Gewalt wieder auf unſere Seite tritt und uns erlaubt, feindlich vorzugehen! Wir müſſen Frieden machen! Aber unſer Beſtreben muß nun darauf gerichtet ſein, von dieſem Frieden möglichſt viel Vortheil zu zichen und ihn zu Oeſterreichs Gunſten auszubeuten.

Auf Koſten Frankreichs?

Ah bah, auf Koſten Deutſchlands, mein lieber kleiner Graf! Wozu * 5

führt denn der Kaiſer von Oeſterreich den Titel zugleich eines Kaiſers von Deutſchland, wenn er von dieſer Laſt nicht wenigſtens den Vortheil haben ſollte, mit Deutſchland nach ſeinem Belieben zu handthieren, und wozu nennt er ſich als Kaiſer von Deutſchland„allzeit Mehrer des Reichs“, wenn er nicht auch Verringerer des Reichs ſein könnte? Nun S wir müſſen den Frieden mit Frankreich ſo aus⸗ zubeuten ſuchen, daß ſich Oeſterreich auf Koſten Deutſchlands arrondirt und vergrößert.

Ah, das wird wieder ein Zetergeſchrei geben über Verletzung des heiligen deutſchen Reichs, rief Saurau lächelnd. Da wird Preußen wieder eine willkommene Gelegenheit haben, ſich als Vertheidiger Deutſch⸗ lands zu geriren.

Mein Lieber, laſſen Sie Preußen immerhin hochtönende Phraſen ausrufen, wir wollen ſchon dafür ſorgen, daß es zu weiter nichts kom⸗ men ſoll! Preußen hat keinen Friedrich den Großen mehr, ſondern nur einen Fr iedrich Wilhelm den Dicken—

Mühlbach, Napoleon. 1. Abth. I. 3