zoſen/ ſagte ein wohlehrſamer Schneider zu ſeinem Nachbar, und dieſer romantiſche Gedanke rollte ſchnell wie eine Lawine durch die Volkshaufen dahin.
Es ſind die Leichen der Kaiſer, welche man aus Wien rettet! jammerte die Menge. Selbſt die Grüfte ſind nicht mehr ſicher. Die kaiſerlichen Leichen rettet man, aber uns, die Lebendigen, läßt man umkommen! Wer nicht Geld genug hat, um zu entfliehen, der iſt verloren. Die Franzoſen werden kommen und uns Alle erwürgen.
Wir wollen es nicht dulden, daß man uns das anthut! ſchrie eine Zeterſtimme. Wir wollen die Leichen von Maria Thereſia und vom großen Kaiſer Joſeph hier behalten, ſie haben das Volk geliebt im Leben, ſie werden es beſchützen im Tode! Kommt, Brüder, kommt, laßt uns den Wagen nachlaufen, laßt uns ſie anhalten und die Leichen zurückführen nach der Kapuzinergruft.
Ja, laßt uns den Wagen nachlaufen und ſie anhalten! brüllte die Menge, welche jetzt, da ſie die Waffen der Soldaten nicht mehr blitzen und drohen ſah, ſich außerordentlich tapfer fühlte.
Aber plötzlich ward dieſes Gebrüll und dieſes Wuthgeſchrei von einer weitſchallenden Stimme unterbrochen, welche dem Volk Halt zu rief, und man gewahrte eine hohe Männergeſtalt, welche mit Katzen behendigkeit den eiſernen Laternenpfahl hinaufkletterte, der ſich in der Mitte des Platzes befand.
Halt! Halt! brüllte dieſer Mann, indem er ſeine beiden Arme weit über die Menge ausſtreckte, als wolle er, wie Moſes, das Meer beſchwichtigen und es ſtille ſtehen heißen.
Die Menge ließ ſich in der That von dieſer ſchallenden Stimme aufhalten, und alle dieſe trotzigen, neugierigen und geängſteten Geſichter wandten ſich jetzt dem Redner zu, der hoch über ihnen am Laternen⸗ pfahl ſchwebte.
Seid keine Narren und Aberwitzige, rief er, wollt Euch nicht Eure Knochen zerſchlagen laſſen von den Ungarn, die froh ſein würden, ihren Heiduckengrimm einmal wieder in deutſchem Blute baden zu können. Habt Ihr Waffen, um mit Gewalt von ihnen fordern zu können, daß ſie Euch die Wagen ſehen laſſen? Und wenn Ihr ſie


