reichiſchen Hauptſtadt zu verbreiten. Während die Großen ihren Gram und ihre Sorgen im Inngrn ihrer Paläſte verbargen, ſtürzten die Ar⸗ men und die Kleinen hinaus auf die Straße, angſtvoll forſchend nach neuen Nachrichten, bange hoffend, daß vielleicht Gott vom Himmel irgend einen Lichtſtrahl ſende, der das Dunkel dieſer Verzweiflung und dieſer Angſt durchleuchten möge.
es lag ein trüber Himmel über Wien, und trübe waren alle Geſichter, denen man begegnete.
Auf zuckte es wie eine Bewegung neuen Schreckens durch die Menge, welche ſich auf dem Kohlmarkt zuſammendrängte. Als ob der Sturm die Wogen dieſes ſchwarzen Meeres aufbauſchte, erhob ſich ein Hin⸗ und Wiederwogen und Murmeln, lauter und immer lauter ſchwoll es empor, bis es endlich in unendlicher Jammerklage aufheulte und ſchrie:„der Kaiſer hat uns verlaſſen! Der Kaiſer iſt mit ſeiner Gemahlin aus Wien entflohen!“
Während das Volk einander mit entſetzten Mienen dieſe neue Schreckenskunde zurief, während es ſich in Gruppen vertheilte, um dieſe letzte und furchtbarſte Neuigkeit des Tages in lauter Rede zu beſprechen, kamen plötzlich ungariſche Huſaren daher geſprengt, mit gebieteriſchem Machtwort den Leuten befehlend, Platz zu machen, Platz für die Wagen, welche ſo eben um die Straßenecke auf den Markt einbogen.
Das Volk, von den blanken Degen und dem ſtolzen Soldatenwort eingeſchüchtert, drängte ſich angſtvoll zur Seite und ſtarrte in neu⸗ gierigem Entſetzen auf den ſeltſamen Aufzug hin, der jetzt ſichtbar ward. Es waren zwölf Wagen, welche daher kamen, nicht Wagen, wie es ſchien, um lebende Menſchen aufzunehmen, ſondern Wagen für die Todten. Statt des Kutſchenraums ſah man hier nur über dieſen breiten, eiſernen Rädern ſich große eiſerne Kaſten erheben, die wohl geeignet dazu waren, in ihrem Innern einen Sarg und eine Leiche zu bergen, und dieſe Kaſten waren bedeckt mit ſchweren, fran⸗ zenbeſetzten Tuchdecken, in deren vier Ecken die öſterreichiſche Kaiſer⸗ krone geſtickt war. Jeder dieſer ſel tſamen Wagen war beſpannt mit ſechs Pferden, auf deren jedem ein Jokey in der kaiſerlichen Livree


