Teil eines Werkes 
2. Band (1851)
Entstehung
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Und wären Sie rein, wie ein Engel des Lichtes und könnten Sie die überzeugendſten Beweiſe Ihrer Un⸗ ſchuld geben, ſie würden Ihnen dennoch nicht glauben, denn Sie haben den Schein auf ſich geladen und die Welt urtheilt, lobt und verdammt nur nach dem Schein! Glauben Sie mir, man hat ſchon manchen Heiligen zum Galgen verurtheilt und manchen Ver⸗ brecher heilig geſprochen! Niemand aber thut das mehr, als eben dieſe Tugendhaften, auf welche Sie hoffen! Dieſe ſind am unerbittlichſten, am wildeſten in ihren Verdammungsurtheilen! Denn ſie betrachten die Ehre und die Tugend als ein Feld, welches ſie gepachtet haben und blicken mit Neid auf einen Je⸗ den, der es neben ihnen betreten möchte! Oh, rechnen Sie niemals auf die Hülfe und den Beiſtand der Tugendhaften! Dieſe werden die Erſten ſein, welche Sie verurtheilen und das Steinigt! Steinigt! über Sie ausſprechen werden!

Nun, mag es denn ſein! ſagte Antonie mit einem bezaubernden Lächeln. Ich kann das Urtheil der Welt entbehren und es kümmert mich nicht, ob ſie mich verurtheilt. Aber Einen gibt es, vor dem ich mein Auge nicht niederſchlagen will, Einen, dem ich frei und ohne Erröthen in's Auge ſchauen und zu dem ich ſagen will: Ich habe mein Gelübde erfüllt! Ich