310
Kommen wir jetzt zu dem Herrn Huſarenlieute⸗ nant, dem Sohn der Gräfin Schwanenkamp und Ihrem früheren Eleven. Sie kennen ihn und wiſſen, daß er ein ſtolzer, übermüthiger, hochfahrender aber gutmüthiger junger Mann iſt! Nun, er hat damit angefangen, mich als ein gar nicht beachtenswerthes, jammervolles Nichts zu betrachten, und hat damit aufgehört, ſich ſterblich in mich zu verlieben! Ja, in der That, er iſt ſo liebedurchglüht, wie es nur je ein Schäfer in Geßner's Idyllen geweſen und ſchwört bei allen Göttern und allen Heiligen, daß er mich liebe! Da ich ihm ſtets nur ein ſtrenges und hochfahrendes Geſicht zeige und ihn immer nur mit kalten und ernſten Worten zurückweiſe, ſo befeuert das natürlich nur ſeine Liebe um ſo mehr, beſonders ſeit ich einmal in einer Unterhaltung mit ihm mich von einigen zärtlichen Liebesworten und einigen Thränen überraſchen ließ. Seitdem iſt der gute, leichtgläubige Graf der feſten Ueberzeugung, daß ich ihn auch liebe, und nur aus jungfräulicher Scham und rückſichtsvollem Hinblick auf ſeine erhabene und meine niedrige Stellung, mit dieſem ſüßen Geſtändniß zurückhalte!— Uebrigens nehme ich niemals Geſchenke von ihm an, ſo oft er mir deren auch angeboten hat!
Eine Zurückhaltung, die Ihnen ohne Zweifel ſehr


