Teil eines Werkes 
1. Band (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

294

daß er ſich nicht von dieſer Stelle an der Thür, neben welcher er ſtand, entfernt, daß er nicht gewagt habe nur einen einzigen Blick auf dieſen Schreibtiſch zu werfen. Der Cardinal ſagte achſelzuckend: es iſt möglich, daß Sie die Wahrheit ſagen! Aber wer bürgt mir dafür? Wer kann wiſſen, ob Sie nicht dennoch dieſe Papiere geleſen, und ſo der Mitwiſſer, vielleicht

der Ausplauderer wichtiger Staatsgeheimniſſe werden?

— Die Betheuerungen des Marquis waren frucht⸗ los; der Cardinal ſchickte ihn auf Lebenslang in die Baſtille!

Und was folgern Sie aus dieſer Geſchichte, mein Kind? fragte der Prinz, indem er mit Bewun⸗ derung in dieſes ſchöne Antlitz blickte, das mit einem unnachahmlichen Ausdruck des Flehens und der Erge⸗ benheit zu ihm empor blickte.

Daß es ſehr gefährlich iſt, die Geheimniſſe der Mächtigen zu wiſſen, und daß ich⸗ ohne es zu wol⸗ len, in den Augen Euer Durchlaucht zu einer Ver⸗ brecherin geworden bin!

Der Prinz war aufgeſtanden, und ging ſinnend im Zimmer auf und ab. Sein ſcharfer, prüfender Kennerblick aber kehrte immer wieder zu dieſem jun⸗ gen Mädchen zurück, das zugleich ſo liebreizend und üppig, ſo demuthsvoll und ſelbſtbewußt erſchien.