Teil eines Werkes 
1. Band (1851)
Entstehung
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Kind, ich flehe Dich an mit der Todesangſt einer Mutter, ſchwöre mir Dein Schweſterchen treu zu lie⸗ ben, und ſie niemals von Deiner Seite zu laſſen!

Ich ſchwöre es Dir, Mama! ſagte Antonie, in⸗ dem ſie die Kleine innig küßte!

Ich danke Dir, Antonie, und ich weiß, daß Du Dein Wort erfüllen wirſt, denn trotz Deiner Jugend und der Schwäche Deines Alters haſt Du doch eine ſtarke und treue Seele. Armes Kind, das Schickſal hat Dich früh gereift, und das Unglück hat Deine zehn Jahre verdoppelt und Dir die Erfahrung von mehr denn zwanzig Jahren gegeben! Armes Kind, möge Deine Zukunft Deiner Vergangenheit nicht gleichen, mögeſt Du jung werden durch das Glück, und fröh⸗ lichen Herzens durch die Freude! Und wenn Du es biſt, Antonie, dann vergiß nicht die kleine Marie ſondern liebe ſie, und lehre ſie ihrer Mutter gedenken in Liebe!

Ahnte dieſes kleine in Leiden und Kummer früh⸗ reife Mädchen all' die Gedanken und finſtern Vorſätze, welche wie tödtliche Schlangen in der Bruſt der jun⸗ gen Frau wühlten? Fühlte ſie den heimlichen Sinn ihrer Worte, und verſtand ihre troſtloſe Bedeutung?

Sie ſah lange und tief ernſt in das vor Schmerz und Jammer zuckende Antlitz ihrer jungen Mutter,