wild und drohend. Wenn ſie zu der Schande den Hohn fügte und ich mein greiſes Haupt beugen müßte vor einem elenden Betrüger, der meine Ehre ſtahl? Ich will zu ihr gehen! Ich will ſie noch einmal fra⸗ gen, ich will ihre Seele zwingen, ſich offen vor mir darzulegen! Ja, ſie ſoll mir die Wahrheit ſagen!
Er durchſchritt raſch das Gemach, und jetzt zau⸗ derte ſeine Hand nicht mehr, die Thüre zu dem näch⸗ ſten Zimmer zu öffnen. Aber auch dieſes Zimmer war leer und Niemand hieß ihn willkommen. Ihn kümmerte das nicht; er wollte und mußte Gewißheit haben, und da dieſe vor ihm zu fliehen ſchien, war r entſchloſſen, ſie aufzuſuchen. Von dem Zimmer, in welchem er ſich jetzt befand, führte eine Portiere in das Schlafzimmer ſeiner Frau. Dahin richtete er jetzt ſeinen Wegz der Teppich, welcher den Fußboden bedeckte, machte ſeine Schritte unhörbar. Mit ent⸗ ſchloſſener Hand ſchlug er die Portiere zurück, und ſah hinein in dieſes Gemach. Dort war ſie, dort an der Wiege, welche mitten in dieſem kleinen zier⸗ lichen Raume ſich befand, dieſe junge zarte Sylphen⸗ geſtalt mit dem ſchönen jugendlichen Antlitz von rüh⸗ render Bläſſe, das war ſie, ſein Weib, ſeine Geliebte, die er grenzenlos liebte, indem er ihr zürnte, die er hätte auf ſeinen Knieen anbeten mögen, indem er ſie


