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zen eine andere Liebe, ſehnt es ſich nach dem Beſitz eines andern Herzens, als dem meinen, wohlan, ſo ſage es. Ich gebe Dich frei, und gehe allein in die Ferne, Dir zurücklaſſend Alles, was ich habe. Nicht die Pflicht, Minna, ſoll Dich an mich binden, an der Pflicht erkaltet das Glück, und die Treue iſt troſtlos und ertödtend, wenn nicht die Liebe ſie zu einer Nothwendigkeit und zum Leben ſchafft!
Minna ſah ihn mit großen, hellen Blicken an, und ſagte ruhig: ich liebe Dich aber, Otto, und liebe Niemand als Dich! Und wenn einſt mein Herz ſich verirrte, ſo hat es ſich wieder gefunden zu Dir freiwillig und ohne Zwang. Das möge Dir beweiſen, daß meine Liebe zu Dir nimmer erboſchen, daß nur ein Wahn, eine Krankheit ſie getrübt hatte. Jetzt aber bin ich geneſen, Otto, und wie die Ge⸗ ſunden ſchnell ihre Krankheit und ihre Leiden ver⸗ geſſen, ſo gedenke auch ich nicht mehr dieſer Herzens⸗ krankheit, die weit hinter mir liegt!
Und Victor? fragte Otto leiſe, denn es war das erſte Mal, daß er vor Minna ſeinen Namen nannte.
Geſtern bekam ich dies Billet von ihm, ſagte Minna, ihm ein Papier darreichend. Er iſt nach Italien abgereiſt.
Otto las das Blatt, und ſagte dann: er geht, weil er Dich liebt, und dankt Dir ſcheidend für die große Lehre, die Du ihm gegeben, für die Gewiß⸗ heit, daß es noch Weiber giebt, deren reine Natur über alle Verführung und Anfechtung erhaben iſt,


