Teil eines Werkes 
1. Theil (1859)
Entstehung
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6 Armer Udo, ſagte Minna mitleidsvoll, armer o!

Der Jüngling begegnete ihren theilnahmsvollen Blicken mit entzücktem Lächeln, ſeine Augen begannen zu leuchten, und wie ein Lichtſtrahl zuckte es über ſein ſchönes regelmäßiges Antlitz; es war als erwache ſeine Vernunft unter Minna's Anblicken und unter ihrer Theilnahme.

Sieh mich immer ſo an, ſagte er dann mit ohllig verändertem Ton, ſieh mich an, dann ſehe ich die Sonne ſelber, und fühle den Himmel ganz groß und heiß in meiner Bruſt, den Himmel mit all' ſeinen Sternen. Ach, Engel Minna, rief er plötzlich, ſich vor ihr nieder werfend, und ihre Kniee umklam⸗ mernd, Engel Minna, ſei gnädig gegen mich!

Minna beugte ſich lächelnd zu ihm nieder: Und was wünſcheſt Du von mir?

Udo jeden Abend das Crucifir küſſen muß, ſagte er, ſchon wieder in ſeine frühere Redeform zurück ſinkend, Udo jeden Morgen den Engel, der am Cru⸗ eifir iſt, küßt, und Minna auch ein Engel iſt, und ni ſie auch, ach nur einmal, ein einziges Mal küſſen möchte.

Er ſah ſie dabei ſo flehend und angſtvoll an, daß Minna nicht die Kraſt fühlte, ihm dieſe Gunſt zu verſagen. Und warum ſollte ich auch? dachte ſie. Iſt er doch wie ein unmündiges, großes Kind, und wer wollte einem kranken Kinde eine Freundlichkeit verſagen?

Sie aeichte Udo lächelnd die Hand und ſagte