Nein, nein, Sie irren, ſagte Minna lebhaft,
Sie thun meinem armen Otto entſchieden Unrecht.
Und Sie ſind viel zu gut, theure einzige Minna, als daß Sie hören könnten, wie man Herrn Otto tadelt, ſelbſt wenn Sie einſehen, daß man Recht hat. Und Recht habe ich! Auch äußerlich vernachläſſigt ſich Ihr Gatte auf eine wirklich auffallende Weiſe. Wie altmodiſch und unfein er ſich kleidet. Wahrhaftig, wenn Sie Beide ſo neben einander ſtehen, Sie mit Ihrer edlen, ſtolzen Haltung, Ihrem ſchön gehobe⸗ nen Haupte, Ihrer impoſanten Figur, Sie, in Ihrem eben ſo einfachen als geſchmackvollen und modiſchen Anzuge, und daneben Otto in dem langen ſpießbür⸗ gerlichen Rocke, an dem die Aermel zu kurz ſind, und die rothe, harte Hand ganz frei laſſen, mit dem krummen Rücken und dem vornüber geneigten blaſſen Haupte, wahrlich, wenn man ſie Beide ſo ſieht, man wäre viel eher geneigt, ihn für Ihren Bedienten, als für Ihren Gemahl zu halten.
Sie tragen etwas zu ſtark auf, ſagte Minna leiſe lächelnd, ſowohl zu Gunſten meiner, als auch zum Nachtheil meines armen Otto. Recht haben Sie, er verſchmäht etwas zu ſehr das Aeußere, und ſeine Haltung könnte beſſer, ſtolzer ſein, aber es thut
mir dennoch weh, ihn tadeln zu hören. Er iſt ſo
gut, ſo edel, ach, und zuweilen ſieht er ſo unglücklich aus, daß mein ganzes Herz erzittert vor Mitgefühl.
Aber wie kann ein Mann unglücklich ſein, der ein ſo herrliches, ſchönes Weib beſitzt, rief Madame Jelſa vorwurfsvoll, ein Weib beſitzt, deſſen Anſchauen


