23
Der Haushofmeiſter verneigte ſich ehrerbietig und zog ſich leiſe auf den Zehen zurück.
Fürſt Kaunitz ſchaute ihm nach mit einem Blicke voll tiefen Mitgefühls und herzlichſter Liebe.
„Armer Mann,“ ſagte er leiſe vor ſich hin,„er hat einen tiefen Schmerz erfahren. Das Herz blutet lange daran, und es bleibt ihm für immer eine Narbe. Ich kenne das, ich— Still,“ unterbrach er ſich ſelbſt gebie⸗ teriſch„ſtill! Was ſollen die trüben Gedanken? Was vergangen iſt, das iſt vergangen, und nur die Zukunft iſt unſer!“
Es war ſeltſam, dieſen Greis von achtzig Jahren ſo ſprechen zu hören, ſeltſam zu ſehen, wie er jetzt ſeine faltige Stirn in noch tiefere Falten legte und mißbilli⸗ gend ſein urgreiſes Haupt ſchüttelte, ſeltſam, wie er ſich jetzt mit ungewohnter Schnelle aus ſeinem Fauteuil er⸗ hob, und verſuchte, haſtiger, wie es fonſt ſeine Gewohn⸗ heit war, auf und ab zu gehen.
„Die Glieder ſind ein wenig ſteif,“ ſagte er dann, „es ſcheint doch, ich habe mich geſtern in der Reitbahn erkältet, und ich werde heute vielleicht gar nicht im Stande ſein zu reiten.“
Aber dies war ein ſo unerhörter Gedanke, ein ſol⸗ cher Bruch mit den mehr als ſechzigjährigen Gewohn⸗ heiten ſeines Lebens, daß Fürſt Kaunitz ſelber ſich davor


