254
„Mein Freund, das Wort„unmöglich“ gibt es für mich nicht,“ ſagte Thugut trotzig;„es iſt zugleich ein feiges und ein prahleriſches Wort. Für einen rechten und echten Mann exiſtirt der Begriff„unmöglich“ nicht, und ſo lange als der König und die Königin noch ihre Köpfe auf den Schultern tragen, hoffe ich noch, daß es möglich iſt ſie retten zu können.“
„Ich habe keine Hoffnung mehr,“ flüſterte Bar⸗ nave.„Der Stern des Glückes iſt für die arme Königs⸗ familie untergegangen, und ſie wird mit ihm untergehen.“
„Und wollen wir es machen wie die Ratten bei dem untergehenden Schiff, wollen wir ſie verlaſſen?“
„Nein, ſo lange ich hoffen kann, dem König und der Königin zu nützen, ſo lange bleibe ich,“ ſagte Bar⸗ nave entſchloſſen.„Kann ich der Königin nicht beiſtehen, indem ich ihr zur Flucht behilflich bin, ſo kann ich ihr doch vielleicht beiſtehen, indem ich auf die Stimmung des Volkes und zugleich des Königs wirke und zwiſchen Beiden vermittele. Der König hat ſchlechte und einſeitige Rathgeber, die ihn immer tiefer in's Verderben führen. Er hat an mich geſchrieben und mich um meinen Rath und meine Meinung befragt. Ich werde ihn wenigſtens die Stimme der Wahrheit und der Gerechtigkeit hören laſſen, ich werde ihm unverfälſcht die Stimmung des


