240
Verſammlung, und frei in ſeinem Willen wird es ſich ſeinem König wieder in Liebe unterwerfen!“
Die Königin hatte mit hochgerötheten Wangen, mit ſtrahlenden Augen, ſchön und erhaben anzuſchauen, wie in den Tagen des Glückes, ſo geſprochen, aber ihre energiſchen, muthvollen Worte fanden keinen Wiederhall in dem Herzen des gutmüthigen, unentſchloſſenen Königs. Er hatte abrathen wollen von der gefährlichen Flucht, und jetzt ſah er, daß ſein Bleiben ihn mit noch größeren Gefahren und Wagniſſen bedrohte. Da er nur zwiſchen zweien Uebeln zu wählen hatte, ſo ſchien ihm die Flucht noch das kleinſte der Uebel zu ſein.
„Arme Marie,“ ſagte er mit einem traurigen Lächeln,„Du hoffſt zu viel von der Liebe und Treue des Volkes. Ich weiß leider, daß wir nichts von derſelben zu erwarten haben, und daß wir in unſere Zukunft auf flüchtigen Sand bauen, wenn wir ſie ſtützen wollen auf die Liebe und Treue des Volkes.“
Die Königin ſenkte mit einem ſchweren Seufzer ihr Haupt auf ihre Bruſt. Sie hatte einen Moment gehofft, mit der Kraft ihrer Beredtſamkeit die ſchlummernde Ener⸗ gie des Gemahls zum Leben anzufeuern, und ſie ſah jetzt ſchmerzvoll, daß ſie ſich getänſcht habe.
Der König, welcher ihren Seufzer gehört hatte, wollte ſie mindeſtens zu tröſten ſuchen.„Nun denn,


