236
fühlte ſie erſt, wie ſehr ſie es geliebt, wie ganz ſie Fran⸗ zöſin geworden mit ihrem Herzen und ihrer Seele!
Und doch nannte man ſie höhnend die Oeſter⸗ reicherin, doch klagte man ſie des Verrathes an ihrem neuen Vaterlande an!
Aber kein Vorwurf, keine Klage hatte ſich in dieſe letzten Abſchiedsworte der Königin gemiſcht. Wie ein Unheil, das vom Himmel über ſie hereingebrochen, und über welches man Niemand anzuklagen vermochte, ſo hatte ſie ſich jetzt in ihr ſchweres Geſchick gefügt, und gleich wie man vor dem tobenden Unwetter ſich von dem freien Felde in irgend eine Höhle, ein noch ſo niedriges Obvdach flüchtet, ſo wollte Marie Antvinette ſich in die Fremde flüchten, bis das Unwetter über Frankreich aus⸗ getobt, bis der Horizont ſich wieder geklärt habe.
Und ſie hoffte noch immer auf dieſe Zeit, ſie hoffte noch immer auf die„guten Franzoſen“, und vermeinte, daß ſie endlich ſich erheben würden gegen die ſchlechten, daß ſie endlich ſich auflehnen würden gegen die Tyrannei der Fanatiker und der Böswilligen, die das Volk ver⸗ führt und irre geleitet hatten! Sie hoffte noch immer auf die Herſtellung der Monarchie und des Throns.
„Ich will das heilige Palladium der Monarchie
retten, darum fliehe ich,“ hatte ſie in dieſem letzten Ab⸗ ſchiedsgruß an Frankreich geſagt.„Ich will nicht, daß


