Teil eines Werkes 
3. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

232

vielleicht wird Gott Erbarmen haben, vielleicht fühle ich mich morgen geneſen, und ich ſelbſt werde zu Louiſe eilen, ihr ſagen können, daß ihre Wünſche ſich erfüllen, daß der Krieg mit Frankreich Nein, nein, unterbrach er ſich laut aufächzend,nein, ich werde ihr nichts mehr ſagen können, denn alle Schmerzen des Todes brennen in mei⸗ nen Eingeweiden. Carl, rief er auf einmal laut und wehevoll,Carl, ich werde ſie nicht wiederſehen, ich werde ſterben, ohne ſie noch einmal umarmt zu haben! Sage ihr, daß ich ihr danke, daß ich ſie liebe, daß ich ſie achte und bewundere. Carl, es geht zu Ende! Mein Gott, und ich bin noch ſo jung und ich habe noch nichts vollendet, was ich begonnen. Ich habe mir noch keinen Namen in der Geſchichte gemacht. Den Cunctator wer⸗ den ſie mich nennen, den Friedfertigen, und die Woge des Vergeſſens wird über meine Regierung dahin rollen und ſie auslöſchen! O, o, die Wolke wird dichter und ſchwe⸗ rer! Ich ſehe Dich nicht mehr, mein Liebling!

Ein Aechzen tönte von den Lippen des Kaiſers, ein Schrei von den Lippen des Fürſten. Der Kaiſer lag bleich und mit geſchloſſenen Augen bewußtlos auf dem Divan, und das Aechzen, das aus ſeiner Bruſt hervor⸗ quoll, klang wie das Röcheln des Todes.

Fürſt Liechtenſtein ſtürzte um Hilfe rufend nach der Thür hin, und jetzt konnte der Kaiſer ihn nicht mehr zu⸗