225
Aber Leopold hatte dieſem Bericht ganz gleichgil⸗ tig und ruhig zugehört, und ſelbſt die wüthenden und be⸗ leidigenden Reden, welche die Jacobiner in der geſetz⸗ gebenden Verſammlung als Antwort auf das kaiſerliche Manifeſt gegen Leopold geſchlendert, entlockten ihm kaum ein Lächeln, ein mitleidiges Achſelzucken.
„Die Franzoſen wollen den Krieg,“ ſagte er ruhig; „nun, ſie ſollen ihn haben, und ſie werden ſehen, daß der friedfertige Leopold doch auch den Krieg, wenn es ſein muß, zu führen verſteht.“*)
„Dieſe Unverſchämten haben es gewagt, ſelbſt die kaiſerliche Perſon zu ſchmähen und zu verläſtern,“ rief Fürſt Liechtenſtein heftig.„Ihre Journale führen gegen Oeſterreich und ſogar gegen die geheiligte Perſon un⸗ ſeres erhabenen Kaiſers eine Sprache, deren Maßloſigkeit und Frechheit die ſtrengſte Züchtigung verdient. Als der Miniſter de Leſſart der legislativen Verſammlung das Manifeſt vorlas, ward er oft unterbrochen von dem Hohngelächter, dem lauten Wuthgebrüll der Jacobiner.“
„Und der unglückliche König ſah ſich genöthigt, die Stimmung der Wüthenden zu billigen,“ ſagte Graf Co⸗ benzl ſeufzend.„Wollen Ew. Majeſtät die Gnade haben,
³) Des Kaiſers eigene Worte. Siehe: Memoires d'un homme d'état. Vol. I. 204.


