„Nein, Majeſtät,“ rief Theroigne erglühend,„eine nicht aufzuwerfende Frage. Denn, wenn die Frauen ein Staatsamt übernähmen, würden ſie, ebenſo gut wie die katholiſchen Geiſtlichen, das Gelübde der Keuſchheit ablegen.“
„Und würden es ebenſo wenig halten, wie dieſe,“ ſagte der Fürſt lachend.„Es müßte denn ſein, daß Sie, meine ſchöne Theroigne de Mericourt, dies Gelübde ab⸗ legen wollten, um Staatsminiſter von Frankreich zu werden.“
„Und wer weiß, ob es nicht für den König und die Königin ein Glück wäre, wenn ich es würde,“ rief The⸗ roigne.„Ich würde ſie vielleicht erretten, denn ich würde ſie mit ihrem Volk verſöhnen! Ich würde alle Mittel anwenden, um dem Königspaar die Liebe des Volkes wie⸗ der zu verſchaffen. In allen Clubbs von Paris würde ich mir große Redner halten, welche begeiſtert und kühn für den König ſprächen; auf allen Straßen würde ich geſchickte Unterhändler haben, die zu Gunſten der Königin Reden hielten und Anhänger würben, ein ganzes Heer von Frauen aus allen Ständen würde ich anſtellen, um allerliebſte kleine Anekdoten von der Großmuth und Güte der Königin zu erzählen; außerdem würde ich den König vermögen, ſich zum Vater ſeines Volkes zu machen, indem er ihm eine freie Conſtitution gäbe, die


