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jedes Zagen und jede Anfechtung, daß ſie weder die Verleumdung, noch die Bosheit fürchtet.
Aber ach, die Freiheit iſt nicht von dieſer Welt, — meine Unſchuld ward zur Schuld, und meine Kühnheit zum Verbrechen.
Die Welt hat mich geſteinigt, weil ich die Welt nicht fürchtete, ſie hat mich ausgeſchrien als Ver⸗ brecherin, und doch war mein einziges Verbrechen, ihren Satzungen nicht gehorcht, ihren Beſchrän⸗ kungen mich nicht unterworfen zu haben.
Die Welt hat geſiegt; matt gehetzt von ihren Verfolgungen, mit wunder Bruſt, mit beſtaubten Füßen ſinke ich zuſammen, unvermögend, mich weiter zu ſchleppen.
Armer Leontin! Du wirſt dieſen Schmerz über⸗ winden, denn die Welt hat noch Reiz für Dich! Sie wird mit tauſend Liebesarmen ſich Dir entge⸗ genſtrecken, ſie wird mit verlockendem Liebesblick Dir lächeln, und in Dein Ohr verführeriſche Ver⸗ heißungen murmeln. Glaube ihr, ergieb Dich ihrem füßen Taumel, genieße ihre Freuden! Man kann auf Erden nichts Beſſeres thun!
Aber— fürchte die Welt!
Wolle nicht ſie beherrſchen, ſondern nur ihr dienen, um ihr Lächeln buhlen, um ihre Zufrie⸗ denheit flehen! So kannſt Du, indem Du ſie anbeteſt, ſie beherrſchen!
Armer Leontin, vergiß mich und verzeihe es mir, daß Du mich liebteſt! Das Erinnern an


