Teil eines Werkes 
3. Theil, Zwei Lebenswege : 3. Band (1860)
Entstehung
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iſt es Dir ein Troſt, zu hören, daß ich unſchul⸗ dig bin, daß meine Hand nicht jenes Verbrechen beging, deſſen man mich angeklagt, daß ich nicht die Geliebte, ſondern in reiner Neigung die Freun⸗ din des Fürſten Lothar war?

Iſt es Dir ein Troſt, zu wiſſen, daß ich un⸗ ſchuldig bin an Allem, deſſen man mich beſchul⸗ vigt?

Einſt, Leontin, verwünſchteſt Du die Welt, und doch, armer Jüngling, biſt Du ihr Sclave! Einſt war meine Liebe mächtig genug, Dich der Welt zu verſöhnen, und jetzt giebſt Du mich auf, um der Meinungen dieſer Welt willen!

Aber Du haſt Recht, und ich darf Dir nicht zürnen!

Wenigen iſt es gegeben, mit unerſchüttertem Muthe die Welt zu verachten, und nur ſich ſelber zu folgen, nur auf ſich ſelber zu bauen, und dieſe Wenigen ſie werden unterliegen! Die Welt wird ſie unter ihre Füße treten und ſie zerreißen.

Die Welt kennt kein Erbarmen, und ihren Vorurtheilen muthig die Stirne bieten, heißt ſie zum Kampfe herausfordern, zum Kampf auf Leben und Tod!

Ich, mein Freund, habe dieſen Kampf be⸗ ſtanden! Es ward mir geboten, hinaus zu gehen in die Welt, und ihr ein Beiſpiel zu geben, von der wahren Freiheit, ein Beiſpiel, an dem ſie er⸗ kennen möge, daß die Unſchuld erhaben iſt über