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Ob ſie gelitten? Ob ſie geweint? Ob ſie noch einen furchtbaren Kampf gekämpft mit ihrer Liebe?
Wir wiſſen es nicht! Sie war allein mit Gott und ihrem Herzen, und kein menſchliches Ohr hat ihre Klagen vernommen, kein menſchliches Auge ihre Qual, ihre Thränen geſehen! Stolz und groß hüllte ſie ſich in ein tiefes, undurchdringliches Geheimniß, und nur die Engel haben ihre Thrä⸗ nen, ihre Seufzer gezählt!
Während Giſela mit Qualen und Schmerzen in der Einſamkeit rang, fuhr das Boot, in wel⸗ chem Indith gekommen, wieder über den See zu⸗ rück nach dem Wirthshaus am Ufer. Aber Fu⸗ dith war nicht allein in demſelben. Der immer noch ohnmächtige Graf Leontin befand ſich neben ihr in dem Kahn, und indem Judith ihre leuch⸗ tenden, triumphirenden Blicke auf ſein leiſe zucken⸗ des, bleiches Angeſicht heftete, flüſterte ſie:„Jetzt iſt er Mein, und nichts auf der Welt ſoll ihn mir wieder entreißen!“
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