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wildem Zorn. Mit roher Gewalt ſtieß er Giſela fort, und die Arme drohend erhebend, rief er: „So ſei verflucht, Lügnerin, verflucht mit Deinem engelreinen Antlitz, das eine ſchändliche Lüge iſt, Du Giftmiſcherin.“
Giſela blickte ihn ruhig und ſtolz an.„Armer Leontin,“ ſagte ſie dann mitleidsvoll,„armer Leontin!“
Aber der Schmerz, die Qual, die furchtbare Aufregung raubte ihm die Sinne, ohnmächtig ſtürzte er zur Erde, und Judith, neben ihm knieend, nahm ſein Haupt in ihren Schvoß, es mit Thrä⸗ nen benetzend und mit tauſend zärtlichen Namen ihn rufend.
Giſela blickte mit ruhigem Auge auf dies Bild vor ihr; die Arme in einander geſchlagen, das Haupt ſtolz aufgerichtet, ſtand ſie da. Dann ſagte ſie:„Tröſte ihn, Judith! Dich aber fordere ich dereinſt vor Gottes Richterſtuhl!“
Ein feierlicher, tief erſchütternder Ausdruck lag in dem Ton, mit dem ſie dieſe Worte ſprach, und in dem aufwärts gerichteten Arm.
Dann warf ſie einen langen, letzten Blick auf Leontin, und ſchritt, hoch aufgerichtet und ruhig dem Hauſe zu.
Mit ruhiger Stimme forderte ſie von der Wirthin des kleinen Jagdſchloſſes Bartholomä ein Zimmer, und als ſie dies erreicht, ſchloß ſie es hinter ſich zu.


