— 153—
zu, und ſprang dann fort, ſeinen Auftrag zu vollführen. 65
Eine Zeit lang blieb Alles ſtill, die Boote waren heran gefahren, und die Schifferinnen, in der maleriſchen Landestracht, lehnten wartend auf ihren Rudern.
Zetzt ward die Thür des Hauſes abermals ge⸗ öffnet, und in derſelben erſchien Giſela an Leon⸗ tins Arm. Sie ſah heiter aus, blühend und friſch, wie eine kaum entfaltete Roſe; ihre ſchwel⸗ lenden Lippen umſpielte ein ſüßes Lächeln, und langſam ließ ſie den Blick auf die grünen Matten der nahen Berge ſchweifen. In dieſem Blick leuch⸗ tete eine Welt des Glückes.
„Der Morgen iſt köſtlich,“ ſagte ſie mit dem tiefen, vollen Ton der Freude;„horch, wie die Vögel zwitſchern, oh, die ganze Natur ſcheint zu lächeln.“
„Und was iſt ein Lächeln der Natur gegen ein Lächeln dieſes Mundes?“ ſagte Leontin, ihre Hand küſſend und ſie hinabführend zum Ufer des See's.
Sie beſtiegen eins der Boote, und der ſchnelle Ruderſchlag führte ſie bald raſch vom Ufer ab.
Eilt ihr Glücklichen, eilt von dannen, fleht zu dem Winde, daß er Euer Boot raſch über die kräuſelnden Wogen dahin trage, eilt von dannen mit Eurem Glücke, hinter Euch lauert das Ver⸗ derben, eilt, daß es Euch nicht mehr zu erreichen vermag!


