Teil eines Werkes 
3. Theil, Zwei Lebenswege : 3. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

151

ten ſie nach köſtlicher Wanderung Berchtesgaden. Sie durchwanderten es raſch, und eilten, noch vor Abend den Königsſee zu erreichen.

Die Sonne war ſchon hinabgegangen, als ſie in dem am Ufer befindlichen Gaſthauſe anlangten, und die Fahrt auf dem See mußte bis zum fol⸗ genden Tag verſchoben werden. Müde von ſo lan⸗ ger Wanderung ſuchten ſie bald ihr Lager, um in feſtem, erquicklichen Schlafe auszuruhen nach einem herrlichen Tage.

Wenige Stunden ſpäter kam ein Wagen daher gefahren, und hielt gleichfalls vor dem Wirths⸗ hauſe an. Sepperl, der bekannte Führer, ſaß vorne neben dem Bedienten auf dem Bock, eine tief verſchleierte Dame im Innern deſſelben.

Sepperl ſprang behende hernieder, und ſagte, ſich an die Dame wendend:ſo werde ich denn jetzt fragen, ob der Herr hier wirklich angekom⸗ men, oder ob er vielleicht ſchon über den See iſt. Denn daß der Fremde, der damals das Bein brach, derſelbe Herr iſt, den Ew. Gnaden ſuchen, darauf möchte ich mein Leben verwetten!

Gäbe der Himmel, daß es ſo iſt! ſeufzte die Dame.Wochen lang ſchon verfolge ich ſeine Spur, und hätte der Himmel nicht Euch in meinen Weg geführt, ſo wäre all mein Suchen und For⸗ ſchen zwecklos geweſen. Geht, geht denn und fragt, hundert Louisd'or ſind Euer, wenn es der

Herr iſt, den ich ſuche!