Teil eines Werkes 
3. Theil, Zwei Lebenswege : 3. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Fürſtin nicht hoffen zu gewinnen, denn er iſt ein Milchbruder ihres verhaßten Gemahls, dieſem mit Leib und Leben zugethan. Clotilde behandelt ihn daher mit gebührender Härte und Schroffheit. Nach dem Frühſtück ſtellt ſich der General ein, der Fürſtin ſeine Aufwartung zu machen.

Oh, dieſen hofft ſie vielleicht noch gewinnen zu können. Er hat ſie einſt ſo heiß geliebt, daß ſie jetzt nicht an ſeinen Haß glauben kann.

Aber der General iſt zu ſtolz und rachſüchtig, als daß er es Clotilden je verzeihen könnte, einſt in ihrer Liebe von ihrem Kammerdiener verdrängt worden zu ſein.

Er haßt ſie glühend, und ihre Qualen und ihre Seufzer ſcheinen ſein Herz nur zu erfreuen, deshalb verbirgt die Fürſtin ſie vor ihm, und er⸗ ſcheint heiter und unbefangen. Aber dieſer Zwang iſt unerträglich, weil er ſo lange dauert, weil dies künſtliche Lächeln, dieſe erzwungene Heiterkeit Stunden lang fortgeſetzt werden muß! Denn der General begleitet ſie ſowohl auf ihrem Spazier⸗ gange im innern, von hohen Mauern umgebenen Schloßhof, als auch in die Kapelle, wo ſie die Meſſe des alten tauben Kaplans anhören darf, er begleitet ſie auch zur Tafel, und erſt nach dieſer darf ſie ſich in ihre Gemächer zurückziehen.

Aber in dieſen Gemächern iſt ſie nicht allein, ſchlimmer als dies, iſt ſie von Spähern umgeben. Im Vorzimmer geht die Wache auf und ab, ſie bitter