Du keinen Deiner Engel, meine Unſchuld zu be⸗ zeugen?“
„Flehen Sie nicht zu Gott,“ rief Julie ſtreng und hart,„gehen Sie lieber in Ihr ſchönes Schloß zurück und vergeſſen Sie in den Armen Zhres Liebhabers dieſe kleine Lehre, die Sie hier erfahren. Gehen Sie, Madame, Sie ſehen, daß Sie ſich diesmal mit Ihrer frommen Wohlthätigkeit irrten. Ich mindeſtens will nicht zu einem Mittel dienen, mit welchem eine ſchamloſe Sünderin ſich den Himmel erkaufen möchte!“
„Es iſt genng,“ ſagte Giſela, ſich ſtolz auf⸗ richtend,„mögen Sie dieſe Stunde niemals bereuen und beklagen! Leben Sie wohl!“
Hoch aufgerichtet verließ ſie das Gemach, ruhig ſchritt ſie durch die Straßen dahin, aber als die ſtille Einſamkeit ihrer Gemächer ſie umfing, da ſank ſie vernichtet, zerbrochen, in laute Klagen ausbrechend, zur Erde.
So fand ſie der Fürſt, der durch die geheime Thür, zu welcher er den Schlüſſel hatte, unbe⸗ merkt zu ihr eingetreten war.
Sie konnte ihm ihre Thränen nicht ableugnen, über ihren Kummer nicht täuſchen, ſie lehnte ihr Haupt an ſeine Schulter und klagte ihn ihr Weh.
„Arme, theure Giſela, ſo hat denn auch dieſer Schmerz Dir nicht erſpart werden können,“ ſagte er, ſie innig an ſich drückend,„ſo mußteſt Du auch dieſe Schmach erfahren, und ich konnte Dich nicht


