Teil eines Werkes 
3. Theil, Zwei Lebenswege : 3. Band (1860)
Entstehung
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mein Gott, ſtammelte ſie,iſt dies möglich, kann dies ſein?

Jetzt endlich kenne ich Sie, fuhr Zulie mit verächtlichem Lächeln fort,und ich ſage Ihnen, daß ich lieber mit dieſen meinen Kindern Hungers ſterben, als von Ihnen Wohlthaten empfangen will. Die Thränen, die Flüche eines ganzen Landes, die Schande Ihres Lebens haften an ſolchen Wohl⸗ thaten, und müſſen auch Denen, die ſie empfangen, zur Schande und zum Fluch werden! Nein, Madame, ſo tief bin ich noch nicht geſunken, um bei dem Laſter betteln zu gehen. Da, da haben Sie dies Papier zurück, ich will es nicht!

Sie zerriß es, und legte es vor Giſela hin. Dieſe ſchreckte zuſammen bei dem Laut des zer⸗ reißenden Papiers, aber ſie fand nicht die Kraft zu Worten und nahm nur mechaniſch die zerriſſenen Blätter an.

Und nun dächte ich, hätten Sie nichts mehr in dieſem Zimmer zu ſuchen. Daß Sie meine Kinder vom Hungertode gerettet, das danke ich Ihnen; ich werde es Ihnen aber nie verzeihen, daß Sie mich durch Betrug gezwungen, von Ihnen Wohlthaten anzunehmen. Glauben Sie mir, daß ich Jahre meines Lebens darum geben würde, die Schande dieſer Erinnerung los zu werden.

Gott, Gott, rief Giſela mit herzzerreißendem Ton, die Arme gen Himmel erhebend,Gott, Du hörſt dieſe Schmach, die ich erdulde, ſendeſt